Notgepäck & Fluchtrucksack: Die komplette Packliste
Das BBK empfiehlt für jedes Familienmitglied einen eigenen Rucksack, der gepackt in Türnähe steht. Hinein gehören Dokumentenmappe, Bargeld, persönliche Medikamente, Erste-Hilfe-Set, Verpflegung für etwa 2 Tage, Trinkflasche, Batterieradio, Taschenlampe, Wechselkleidung, Regenschutz, Schlafsack oder Decke und Hygieneartikel. Als vorsichtige Faustregel sollte das Notgepäck Erwachsener höchstens 10–15 % des Körpergewichts wiegen.
Brand im Treppenhaus, steigendes Hochwasser, eine Weltkriegsbombe in der Nachbarschaft: Wenn die Feuerwehr klingelt, bleiben oft nur Minuten. Wer dann erst Ausweise, Medikamente und Ladekabel zusammensucht, vergisst das Wichtigste. Ein gepackter Rucksack an der Tür nimmt dir diese Entscheidung ab.
Diese Packliste orientiert sich an den Empfehlungen des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) und ergänzt sie um Praxiserfahrungen aus Familien: Was in jeden Rucksack gehört, was Kinder und Babys zusätzlich brauchen und wie schwer das Ganze sein darf.
Was ist Notgepäck – und wofür brauchst du es?
Notgepäck (auch Fluchtrucksack oder Notfallrucksack) ist ein fertig gepackter Rucksack pro Person mit allem, was du brauchst, wenn du dein Zuhause kurzfristig verlassen musst – für etwa zwei Tage. Typische Anlässe sind Brand, Gasaustritt, Hochwasser, Bombenentschärfung oder eine behördliche Evakuierung.
Notgepäck ist nicht dasselbe wie der Notvorrat. Der Vorrat ist für das Bleiben: Lebensmittel für zehn Tage im Keller oder Vorratsschrank. Das Notgepäck ist für das Gehen. Beides ergänzt sich, und beides gehört in einen guten Familien-Notfallplan.
Die Packliste nach BBK: was in jeden Rucksack gehört
Die folgende Liste ist nach Bereichen sortiert. So siehst du beim Packen sofort, wo noch Lücken sind. Was nicht für dich passt, lässt du weg – was dir fehlt, ergänzt du.
Dokumente & Geld
- Dokumentenmappe mit Kopien der wichtigsten Papiere
- Personalausweis bzw. Reisepass (Original am Körper)
- Bargeld in kleinen Scheinen und Münzen
- Liste wichtiger Telefonnummern auf Papier
- Kopie des Familien-Notfallplans (ohne Codewort)
- Ersatzschlüssel für Wohnung und Auto
Welche Papiere genau in die Mappe gehören und warum Originale anders aufbewahrt werden als Kopien, erklärt der Ratgeber Dokumentenmappe für den Notfall. Wie viel Bargeld sinnvoll ist, liest du unter Wie viel Bargeld zu Hause?.
Gesundheit & Hygiene
- Persönliche Medikamente für mindestens eine Woche
- Medikationsplan und Allergiepass (Kopie)
- Erste-Hilfe-Set
- Ersatzbrille bzw. Kontaktlinsen
- Zahnbürste, Seife, kleines Handtuch, Toilettenpapier
- Atemschutzmaske
Essen & Trinken
- Verpflegung für etwa 2 Tage, staubdicht verpackt
- Gefüllte Trinkflasche
- Essgeschirr, Besteck, Becher
- Taschenmesser und Dosenöffner
Licht, Information & Kommunikation
- Batteriebetriebenes Radio mit Ersatzbatterien
- Stirn- oder Taschenlampe mit Ersatzbatterien
- Handy, Ladekabel, geladene Powerbank
- Trillerpfeife, Notizbuch und Stift
Kleidung & Schutz
- Wechselkleidung für mindestens einen Tag
- Regenschutz und Mütze
- Feste Schuhe (im Zweifel direkt anziehen)
- Arbeitshandschuhe
- Schlafsack oder Decke
- Rettungsdecke
Packe alles nach Bereichen in wasserdichte Beutel – Dokumente, Kleidung, Hygiene. Bei Regen oder Hochwasser bleibt der Inhalt trocken, und du findest im Dunkeln mit der Stirnlampe sofort, was du suchst. Welche Lampen sich wirklich lohnen, steht im Ratgeber Licht ohne Strom.
Interaktive Checkliste: Was ist schon drin?
Hake ab, was in deinem Rucksack bereits steckt. So siehst du auf einen Blick, was beim nächsten Einkauf noch fehlt.
Tiefer einsteigen? Kapitel 8 „Familie & Kinder“, Bonus 2 und Bonus 3 im Krisenvorsorge-System zeigt dir den kompletten Plan.
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Kinder brauchen ihren eigenen kleinen Rucksack – nicht, weil sie viel tragen sollen, sondern weil er ihnen Sicherheit gibt: Darin ist ihr Kuscheltier, ihre Lampe, ihre Notfallkarte. Die schweren und wichtigen Dinge bleiben bei den Erwachsenen.
Kinder-Rucksack
Notfallkarte und Kopie des Kinderausweises · Trinkflasche und Lieblingssnacks · Wechselkleidung, Regenjacke, Mütze · kleine Taschenlampe oder Knicklicht · Trillerpfeife · Kuscheltier, Buch oder kleines Spiel · Pflaster und Taschentücher. Eigene Medikamente trägt ein Erwachsener.
Zusätzlich für Babys
Windeln für 2–3 Tage, Feuchttücher, Wickelunterlage · trinkfertige Säuglingsmilch für 2–3 Tage und Sauger · Gläschen und Löffel · zwei Wechselgarnituren und eine warme Schicht · Schlafsack, Schnuller mit Ersatz · Fieberthermometer · Kopie von U-Heft und Impfpass · Babytrage oder Tragetuch.
Die Notfallkarte gehört auch ins Notgepäck. Was darauf stehen sollte – und was nicht –, liest du im Ratgeber Notfallkarte für Kinder.
Trinkfertige Säuglingsmilch ist die beste Notreserve für Babys, die nicht gestillt werden: Sie braucht weder Wasser noch Erhitzen. Angebrochene Flaschen werden nach der Mahlzeit nicht aufgehoben. Pulvermilch geht unterwegs nur mit abgekochtem Wasser oder Wasser mit dem Hinweis „geeignet für die Zubereitung von Säuglingsnahrung“. Und: Bei einer Evakuierung ist die Babytrage dem Kinderwagen fast immer überlegen – sie funktioniert auf Treppen, im Gedränge und lässt beide Hände frei.
Ältere Angehörige und Menschen mit Einschränkungen
Für Großeltern oder pflegebedürftige Angehörige ändert sich vor allem die Gesundheits-Abteilung des Rucksacks. Denk an Ersatzbatterien für das Hörgerät, die Ersatzbrille, Inkontinenzmaterial für zwei bis drei Tage, eine Kopie des Medikationsplans und eine Liste aller Hilfsmittel mit Lieferanten-Telefonnummer. Wer einen Rollator oder Rollstuhl nutzt, braucht einen Rucksack, der sich daran befestigen lässt – und einen Menschen, der beim Tragen hilft. Leicht packen ist hier noch wichtiger: Ältere Menschen sollten deutlich unter der Faustregel unten bleiben.
Extras je nach Jahreszeit
Winter
Warme Unterwäsche, dicke Socken, Mütze und Handschuhe für jedes Familienmitglied, eine zusätzliche Fleece-Schicht. Notunterkünfte und Turnhallen sind oft kühl, Wartezeiten draußen lang.
Sommer
Sonnenschutz, Kopfbedeckung und eher eine Flasche Wasser mehr. Bei Hitze steigt der Flüssigkeitsbedarf deutlich – besonders bei Kindern, Älteren und beim Gehen mit Gepäck.
Am einfachsten tauschst du diese Extras bei den beiden Prüfterminen im Frühjahr und Herbst aus. So passt der Rucksack immer zur Jahreszeit, ohne dass er dauerhaft schwerer wird.
Wie schwer darf der Fluchtrucksack sein?
Notgepäck tragen nicht nur trainierte Wanderer, sondern auch Untrainierte, Ältere und Menschen mit Rückenproblemen – womöglich kilometerweit, weil Straßen gesperrt sind. Als vorsichtige Faustregel gilt deshalb: höchstens etwa 10–15 % des eigenen Körpergewichts, wenn längere Strecken zu Fuß möglich sind.
| Körpergewicht | 10 % | 15 % | Hinweis |
|---|---|---|---|
| 50 kg | 5,0 kg | 7,5 kg | Eher am unteren Wert orientieren |
| 60 kg | 6,0 kg | 9,0 kg | Wasser zählt voll: 1 Liter ≈ 1 kg |
| 75 kg | 7,5 kg | 11,3 kg | Typischer Erwachsenen-Rucksack |
| 90 kg | 9,0 kg | 13,5 kg | Mehr nur mit Training und gutem Rücken |
Ältere oder vorbelastete Menschen bleiben deutlich darunter. Kinder tragen nur, was sie wirklich selbst schaffen: Ein Kindergartenkind trägt Kuscheltier, Trinkflasche und Regenjacke, ein Schulkind zusätzlich etwas Wechselkleidung und Snacks.
Richtig packen: Was gehört wohin?
Die Reihenfolge im Rucksack entscheidet, wie gut er sich trägt und wie schnell du an das Wichtige kommst. Faustregel: Schweres nah an den Rücken, Häufiges nach oben, Weiches nach unten.
- Alles auslegenListe neben dich, alle Teile auf den Boden. Was doppelt ist oder „nur vielleicht“ gebraucht wird, fliegt raus.
- In Beutel sortierenDokumente, Kleidung, Hygiene, Essen – jeweils wasserdicht verpackt und beschriftet.
- Von unten nach oben packenSchlafsack und Kleidung unten, Wasser und Essen in die Mitte am Rücken, Regenschutz und Erste Hilfe oben, Mappe und Geld ins Deckelfach.
- WiegenRucksack auf die Personenwaage stellen und mit der Tabelle oben vergleichen.
- Probe tragenEine Stunde gehen – am besten den Weg zu eurem fernen Treffpunkt. Du merkst sofort, was drückt und was fehlt.
Wo steht das Notgepäck – und wie bleibt es aktuell?
Das Notgepäck steht an einem festen Platz in Türnähe, trocken und für alle Erwachsenen erreichbar. Jeder weiß, welcher Rucksack seiner ist. Keller und Dachboden sind ungeeignet: Bei Brand oder Hochwasser kommst du dort womöglich nicht mehr hin.
Ein Rucksack, der zwei Jahre unberührt im Schrank stand, enthält abgelaufene Riegel, leere Batterien und Kinderkleidung zwei Nummern zu klein. Lege deshalb zwei feste Prüftermine im Jahr fest – etwa den bundesweiten Warntag im September und die Zeitumstellung im Frühjahr.
- Wasser und Snacks tauschen (alte Vorräte einfach aufessen)
- Batterien und Powerbank prüfen und laden
- Medikamente auf Ablaufdatum prüfen
- Kinderkleidung an die aktuelle Größe anpassen
- Dokumentenkopien und Nummernliste aktualisieren
- Windelgröße beim Baby-Notgepäck prüfen
Die häufigsten Fehler beim Notgepäck
- Zu schwer gepackt: Der Rucksack, den du nach einem Kilometer abstellst, hilft niemandem. Lieber leicht und vollständig.
- Medikamente vergessen: Dauermedikamente sind oft das Einzige, was sich unterwegs nicht ersetzen lässt. Eine Wochenration gehört fest in den Rucksack.
- Nur digital: Nummern und Dokumente nur im Handy – ohne Akku ist alles weg. Eine Papierliste wiegt nichts.
- Haustier nicht bedacht: Leine, Napf, Futter für zwei bis drei Tage und Impfnachweis gehören in einen eigenen Beutel. Mehr dazu im Ratgeber Haustiere im Notfall.
- Nie Probe getragen: Erst unterwegs merkst du, dass der Hüftgurt fehlt oder die Schuhe drücken.
Im Ernstfall gilt: nur Notgepäck, kein Hausrat. Wer bei einer Evakuierung noch Laptop, Fotoalben und Schmuckkästchen zusammensucht, verliert Minuten, die bei Brand oder Hochwasser entscheidend sein können. Und: Kehre nie vorzeitig zurück, um „schnell noch etwas zu holen“. Wann du gehen solltest und wie du das Haus sicher verlässt, steht im Ratgeber Evakuierung: Wann gehen, wann bleiben.
Im Krisenvorsorge-System findest du in Kapitel 8 die Notgepäck-Tabelle für Erwachsene und Kinder nebeneinander, das Packschema und den „Probe-Spaziergang“. Das Bonus-Spezial für Eltern ergänzt das komplette Baby-Notgepäck und die „10-Minuten-Rucksack-Challenge“, mit der Kinder das Packen spielerisch üben. Wer reinschauen will: kostenlose Leseprobe.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Notgepäck und Notvorrat?
Der Notvorrat ist für das Bleiben gedacht: Lebensmittel und Getränke für etwa 10 Tage zu Hause. Das Notgepäck ist für das Gehen: ein Rucksack pro Person mit dem Nötigsten für rund 2 Tage, falls du die Wohnung schnell verlassen musst.
Braucht jedes Familienmitglied einen eigenen Fluchtrucksack?
Ja, das empfiehlt das BBK. Jeder weiß dann, welcher Rucksack seiner ist, und das Gewicht verteilt sich. Kleine Kinder tragen nur einen Mini-Rucksack mit Kuscheltier, Trinkflasche und Regenjacke – den Rest übernehmen die Erwachsenen.
Wo sollte der Fluchtrucksack stehen?
An einem festen Platz in der Nähe der Wohnungstür, trocken und für alle Erwachsenen sofort erreichbar – zum Beispiel im Flurschrank. Nicht im Keller oder Dachboden, denn bei Brand oder Hochwasser kommst du dort womöglich nicht mehr hin.
Wie viel Wasser gehört in den Notfallrucksack?
Mindestens eine volle Trinkflasche pro Person, bei Erwachsenen gern 1 bis 1,5 Liter. Mehr ist schwer zu tragen, denn jeder Liter wiegt rund ein Kilogramm. Für längere Strecken hilft ein kleiner Wasserfilter oder Entkeimungstabletten als leichte Ergänzung.
Wie oft muss man das Notgepäck kontrollieren?
Zweimal im Jahr: Lebensmittel und Wasser tauschen, Batterien und Medikamente auf Ablaufdatum prüfen, Kinderkleidung an die aktuelle Größe anpassen und Dokumentenkopien aktualisieren.