Licht ohne Strom: Lampen, Batterien & Kerzen-Gefahr
Für Licht im Stromausfall reichen drei Lampentypen: eine Stirnlampe pro Person, eine LED-Laterne für den Aufenthaltsraum und Orientierungslichter für Flur und Bad – alle möglichst mit einem einheitlichen Batterietyp (am besten AA). Kerzen sind im Stromausfall eine häufige Brandursache und gehören, wenn überhaupt, nur standfest und beaufsichtigt auf eine nicht brennbare Unterlage. Ein Licht-Vorrat für 10 Tage ist mit einfachen Modellen für unter rund 100 € machbar.
Das Licht geht aus, und irgendwo in der Küchenschublade liegt eine Taschenlampe – vermutlich mit ausgelaufenen Batterien. Also wird eine Kerze angezündet, um sie zu suchen. Genau so beginnen viele Wohnungsbrände nach Stromausfällen.
Licht ist der Bereich, in dem du mit wenig Geld den größten Sicherheitsgewinn erzielst. Im Winter wird es gegen halb fünf dunkel – bei einem mehrtägigen Ausfall brauchst du dann jeden Tag 14 Stunden und mehr Licht. Hier ist das System, das dafür reicht.
Das Licht-System: drei Lampentypen reichen
Ein gutes Notlicht-System besteht aus einer Stirnlampe pro Person, einer Laterne pro Aufenthaltsraum und Orientierungslichtern für Flur und Bad. Taschenlampen sind praktisch, aber du hast im Dunkeln selten eine Hand frei.
1. Stirnlampe
Eine pro Person – das wichtigste Licht, weil die Hände frei bleiben. 50–150 Lumen reichen. Ein Rotlicht-Modus erhält die Nachtsicht und blendet niemanden.
2. LED-Laterne
Eine für den Raum, in dem sich alle aufhalten. 100–300 Lumen, mehrere Stufen, gleicher Batterietyp wie die Stirnlampen. Hängend leuchtet sie besser aus.
3. Orientierungslicht
Für Flur, Bad und Kinderzimmer: Knicklichter, Batterie-Nachtlichter oder Solar-Gartenleuchten, die tagsüber draußen laden und abends hereinkommen.
Schnall eine Stirnlampe so um einen gefüllten, durchscheinenden Wasserkanister oder eine große PET-Flasche, dass sie nach innen strahlt. Das Wasser streut das Licht – aus dem Spot wird eine blendfreie Raumleuchte. Ideal, wenn du nur eine Lampe hast.
Mindestens genauso wichtig wie die Lampe ist ihr Platz. Leg eine Stirnlampe an einen festen Ort in Türnähe, den jeder im Haushalt kennt – und eine zweite neben das Bett. Wer im Dunkeln erst suchen muss, greift zur Kerze. Wie die erste Stunde im Stromausfall abläuft, zeigt Stromausfall – was tun?.
Sommer oder Winter: der Bedarf schwankt enorm
Im Sommer brauchst du Licht vor allem nachts für den Gang ins Bad. Im Winter ist es von etwa halb fünf am Nachmittag bis zum nächsten Morgen dunkel – das sind 14 Stunden und mehr, in denen gekocht, gegessen, gespielt und gepflegt wird. Plane deinen Vorrat deshalb immer für den Winterfall. Wer im Sommer zu viel hat, hat einfach eine Reserve.
Batterien: welcher Typ wofür?
Die beste Lampe ist wertlos, wenn die Batterien leer oder ausgelaufen sind. Die drei gängigen Typen unterscheiden sich vor allem bei Lagerfähigkeit und Kälte:
| Typ (Format AA) | Spannung | Kapazität (typisch) | Lagerfähigkeit | Kälte | Einsatz |
|---|---|---|---|---|---|
| Alkaline (Einweg) | 1,5 V | ca. 2.000–2.800 mAh, sinkt bei hoher Last | laut Herstellern oft bis ca. 10 Jahre; können auslaufen | ✕ | günstiger Grundvorrat |
| NiMH-Akku, LSD-Typ („ready to use“) | 1,2 V | ca. 1.900–2.500 mAh | geringe Selbstentladung, behält über Monate den Großteil der Ladung | ◐ | Alltag und Vorrat; per USB-Ladegerät an Powerbank nachladbar |
| Lithium (Einweg, 1,5 V) | 1,5 V | ca. 3.000 mAh, auch bei hoher Last | laut Herstellern bis ca. 20 Jahre | ✓ | teuer, aber leicht, kältefest, auslaufsicher – ideal für Notgepäck und Auto |
Lithium-Ionen-Akkus im AA-Format (Typ 14500) sehen aus wie normale Mignon-Batterien, haben aber rund 3,7 V statt 1,5 V. In normalen AA-Geräten können sie die Elektronik zerstören. Kennzeichne sie, wenn du sie nutzt, und bewahre sie getrennt auf.
Die Insider-Regel: ein Batterietyp für alles
Standardisiere alle Lampen, das Radio und – wenn möglich – die Funkgeräte auf einen Batterietyp, am besten AA, notfalls AA und AAA. Dann ist dein Vorrat nie „im falschen Format“ leer. Ideal sind Hybrid-Stirnlampen, die sowohl Akkus als auch normale Batterien aufnehmen. Wer schon eine Powerstation oder Powerbank hat, kann NiMH-Akkus über ein USB-Ladegerät nachladen – Details dazu in Powerstation & Notstrom.
Wie lange leuchtet eine Lampe wirklich?
Die Brenndauer auf der Verpackung ist nicht die Zeit mit vollem Licht. Viele Hersteller geben die Laufzeit nach dem Standard ANSI/PLATO FL1 an: Gemessen wird, bis die Lampe nur noch 10 % ihrer Anfangshelligkeit hat. „40 Stunden“ heißt also, dass ein großer Teil davon Dämmerlicht ist.
Stirnlampen: 2 Personen × 10 Tage × 3 Stunden = 60 Lampenstunden. Bei realistisch rund 25 Stunden brauchbarem Licht pro Batteriesatz (3 × AAA, mittlere Stufe) sind das knapp 3 Sätze, mit Reserve etwa 12 AAA.
Laterne: 10 Abende × 5 Stunden auf niedriger Stufe = 50 Stunden, je nach Modell 1–2 Sätze; mit Reserve und Radio etwa 12 AA.
Für 4 Personen verdoppelst du grob – und landest mit einfachen Modellen immer noch unter rund 100 € für Lampen und Batterien. Preise und Laufzeiten sind grobe Richtwerte.
Tiefer einsteigen? Kapitel 2 „Blackout“, Kapitel 4 „Die ersten 72 Stunden“ und Kapitel 7 „Energie, Licht & Kommunikation“ im Krisenvorsorge-System zeigt dir den kompletten Plan.
Leseprobe ansehen →Kerzen: die unterschätzte Brandgefahr
Feuerwehren warnen nach Stromausfällen regelmäßig vor Bränden durch Kerzen, Teelichter und improvisierte Lichtquellen. Das Muster ist immer ähnlich: Kerze auf dem Regal, Vorhang daneben, Kind oder Haustier stößt sie um, alle schlafen ein. Im Blackout kommt hinzu, dass der Notruf womöglich nicht durchgeht und die Feuerwehr im Dauereinsatz ist.
Wenn du trotzdem Kerzen nutzt, dann nur nach diesen Regeln:
- nur in standfesten, nicht brennbaren Haltern oder im Glas
- auf nicht brennbarer Unterlage, mindestens eine Armlänge von Vorhängen, Möbeln und Papier entfernt
- nie unbeaufsichtigt, nie im Kinderzimmer, nie in Reichweite von Haustieren
- keine Teelichter dicht nebeneinander oder unter Abdeckungen – das Wachs kann sich entzünden
- aus, bevor jemand schläft
- Rauchmelder getestet, Löschdecke oder Feuerlöscher griffbereit
Öl- und Petroleumlampen sind ebenfalls offene Flammen – mit denselben Risiken plus Abgasen im Raum. Und ein Teelicht taugt auch nicht als Heizung, selbst wenn es unter einem Tontopf steht. Warum, erklärt Heizen ohne Strom.
„Licht für 10 Tage mit kleinem Budget“ ist ein eigener Abschnitt in Kapitel 7 des Krisenvorsorge-Systems – mit kompletter Batterie-Rechnung für 4 Personen, Einkaufsliste und Wartungskalender, damit im Ernstfall nichts leer oder ausgelaufen ist. Einen Eindruck gibt die Leseprobe.
Kurbel, Solar, Akku: was taugt als Ergänzung?
Lampen ohne Batterien klingen nach der perfekten Lösung – in der Praxis sind sie Ergänzung, nicht Grundlage.
- Kurbellampen und Kurbelradios sind Reserve-Generatoren. Je nach Modell bringt eine Minute Kurbeln oft nur einige Minuten Licht oder Radio. Gut als Rückfallebene, schlecht als Hauptlicht für 14 Stunden am Tag. Kauf lieber Geräte mit drei Energiequellen: normale Batterien, Kurbel und kleines Solarfeld.
- Solar-Gartenleuchten sind ein unterschätzter Trick fürs Orientierungslicht: tagsüber auf Balkon oder Fensterbank laden, abends in Flur und Bad stellen. Im Winter bei kurzen, trüben Tagen leuchten sie allerdings oft nur kurz.
- Akku-Leuchten mit USB lassen sich an Powerbank oder Powerstation nachladen. Praktisch, solange Energie da ist – deshalb immer zusätzlich ein paar Lampen mit normalen Batterien.
Licht und Sicherheit: unauffällig bleiben
Bei einem längeren Ausfall fallen auch Kameras, elektrische Türöffner und manche Alarmanlagen aus. Wer als Einziger in der Straße hell erleuchtet ist, zieht Aufmerksamkeit auf sich. Halte Vorhänge und Rollläden abends geschlossen und das Licht gedämpft – das spart nebenbei Batterien und hält die Wärme im Raum.
Lagern und pflegen: damit das Licht im Ernstfall geht
Die meisten Haushalte haben genug Lampen – aber keine Routine. Diese Gewohnheiten sorgen dafür, dass alles funktioniert, wenn es darauf ankommt:
- Batterien raus aus gelagerten GerätenAlkaline-Batterien können auslaufen und Kontakte zerstören. Lagere Lampe und Batterien getrennt, aber nebeneinander – oder nutze Lithium-Einwegbatterien.
- Kühl und trocken lagernNicht im Auto im Sommer, nicht auf dem heißen Dachboden. Hitze verkürzt die Lebensdauer von Batterien und Akkus.
- Zweimal im Jahr prüfenEin guter Termin ist die Zeitumstellung im März und Oktober: Lampen einschalten, Ablaufdaten prüfen, NiMH-Akkus nachladen, Rauch- und CO-Melder testen.
- Kinder einbeziehenEin „Licht-aus-Abend“ als Abenteuer zeigt, ob jeder seine Lampe findet und bedienen kann. Ein Kind kann „Taschenlampen-Chef“ werden und die Lampen verwalten.
Licht für unterwegs und das Notgepäck
Für Notgepäck, Auto und Arbeitsplatz eignen sich Lithium-Einwegbatterien besonders: leicht, kältefest und laut Herstellern bis zu rund 20 Jahre lagerfähig. Eine kleine Stirnlampe mit Ersatzbatterien gehört in jeden Fluchtrucksack – die komplette Packliste findest du in Notgepäck & Fluchtrucksack.
Wer PMR-Funkgeräte kauft, sollte auf dasselbe Batterieformat achten – dann teilen sich Licht und Funk einen Vorrat. Mehr dazu in Kommunikation ohne Handynetz. Alle Vorsorge-Bausteine im Überblick findest du unter Blackout vorbereiten.
Häufige Fragen
Welches Licht ist bei Stromausfall am besten?
Eine Stirnlampe pro Person, weil sie die Hände frei lässt – fürs Kochen, Wickeln oder Erste Hilfe. Dazu eine LED-Laterne mit 100–300 Lumen für den Raum, in dem sich alle aufhalten. Kerzen nur als Ergänzung und nie unbeaufsichtigt.
Wie lange kann man Batterien lagern?
Alkaline-Batterien halten laut Herstellern oft bis etwa 10 Jahre, Lithium-Einwegbatterien (1,5 V) bis etwa 20 Jahre und sind zudem kältefest und auslaufsicher. NiMH-Akkus vom LSD-Typ („ready to use“) behalten über Monate den Großteil ihrer Ladung. Batterien aus selten genutzten Geräten nehmen, damit sie nicht auslaufen.
Sind Kerzen bei Stromausfall gefährlich?
Ja. Feuerwehren warnen nach Stromausfällen regelmäßig vor Bränden durch Kerzen und Teelichter, und im Blackout ist die Feuerwehr schwerer zu erreichen. Wenn Kerzen, dann in standfesten, nicht brennbaren Haltern, mindestens eine Armlänge von Vorhängen entfernt, nie im Kinderzimmer und aus, bevor jemand schläft.
Wie lange leuchtet eine Taschenlampe wirklich?
Meist kürzer als gedacht. Viele Hersteller geben die Laufzeit nach dem Standard ANSI/PLATO FL1 an – gemessen wird, bis die Lampe nur noch 10 % ihrer Anfangshelligkeit hat. Plane mit etwa der Hälfte der angegebenen Laufzeit bei brauchbarer Helligkeit.
Lohnen sich Kurbel- oder Solarlampen?
Als Ergänzung ja, als Hauptlicht kaum. Eine Kurbel ist ein Reserve-Generator: Je nach Modell bringt eine Minute Kurbeln oft nur wenige Minuten Licht. Solar-Gartenleuchten sind dagegen eine günstige Lösung fürs Orientierungslicht, wenn sie tagsüber draußen laden können.
Kann ich Lithium-Akkus im AA-Format in normale Lampen stecken?
Vorsicht: Lithium-Ionen-Akkus im AA-Format (Typ 14500) haben rund 3,7 V statt 1,5 V und können normale AA-Geräte zerstören. Unproblematisch sind Lithium-Einwegbatterien mit 1,5 V und NiMH-Akkus mit 1,2 V.