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Blackout & Stromausfall

Kommunikation ohne Handynetz: Funk, Radio & Treffpunkte

Aktualisiert: Lesezeit: 6 Min.Von der Verheimlicht-Redaktion
Kurz beantwortet

Fällt das Handynetz aus, bleiben drei Wege: UKW-Radio mit Batterie oder Kurbel für amtliche Informationen, anmelde- und gebührenfreie Funkgeräte (PMR446) für die Familie im Wohnort mit realistisch 0,5–2 km Reichweite in der Stadt, und vorher vereinbarte Treffpunkte. Notrufe setzt du dann an der Feuerwache oder einem kommunalen Notfall-Infopunkt ab – wo der nächste liegt, musst du vorher herausfinden.

Dein Kind ist in der Schule, dein Partner im Büro, du zu Hause – und plötzlich zeigt das Handy „Kein Netz“. Bei einem großflächigen Stromausfall ist das kein Szenario für Tag 5, sondern für die ersten Stunden. Wer erst dann überlegt, wie man sich erreicht, ist zu spät.

Mobilfunkstandorte sind oft nur begrenzt mit Akkus gepuffert, gleichzeitig versuchen alle zu telefonieren, und das Festnetz hängt am Router. Diese Seite zeigt, welche Kanäle dann noch funktionieren – und welche Vorbereitung wirklich zählt.

UKWdas robusteste Warnmittel im Blackout – mit Batterie, Kurbel oder Autoradio
0,5 Wmaximale Sendeleistung von PMR446 – anmelde- und gebührenfrei
4 PunkteTreffpunkt nah, Treffpunkt fern, Kontaktperson, Codewort

Was im Blackout mit Handy, Festnetz und Internet passiert

Bei einem großflächigen Stromausfall fallen Internet und Festnetz sofort aus, der Mobilfunk typischerweise nach einigen Stunden. Der Router braucht Strom, und fast alle Festnetztelefone laufen heute übers Internet. Das Mobilfunknetz hält länger, aber viele Standorte sind nur für eine begrenzte Zeit gepuffert, und bei Millionen gleichzeitigen Anrufen kommen Gespräche ohnehin kaum durch. Den vollständigen Ablauf zeigt Blackout-Ablauf: Was fällt wann aus?.

Die Kommunikations-Kaskade: Wenn ein Kanal ausfällt, nimmst du den nächsten
1 · Anruf nur in den ersten Minuten, Netz überlastet 2 · SMS kommt oft noch durch, solange Masten laufen 3 · Radio UKW mit Batterie: amtliche Infos, nur empfangen 4 · Funk PMR446 & Co.: Familie und Nachbarschaft 5 · Vor Ort Treffpunkte, Anlaufstelle, Aushänge Je länger der Ausfall, desto weiter rechts landest du – plane alle fünf Stufen vorher.
Vereinfachte Darstellung. Der tatsächliche Verlauf hängt davon ab, wie lange die Mobilfunkstandorte in deiner Region gepuffert sind.
Insider-Wissen: SMS vor Anruf

Ist das Netz noch da, aber überlastet, kommen kurze Textnachrichten oft noch durch, wenn Anrufe scheitern – eine SMS braucht kaum Kapazität und wird zwischengespeichert, bis sie zugestellt werden kann. Schreib kurz und vollständig: „Alle ok. Sind zuhause. Treffpunkt nicht nötig.“ Und: Der Notruf 112 geht auch ohne Guthaben – aber nur, wenn überhaupt ein Netz da ist.

Das Radio: dein Draht zu den Behörden

Wenn Handy und Internet schweigen, ist das Radio der wichtigste Kanal. Behörden speisen Warnungen über das Modulare Warnsystem des Bundes (MoWaS) unter anderem an Rundfunksender, Warn-Apps und Cell Broadcast. Im Blackout kommt davon vor allem UKW zuverlässig bei dir an – Sender arbeiten mit Notstrom, und dein Empfänger läuft mit Batterie. Apps und Cell Broadcast brauchen dagegen ein funktionierendes Mobilfunknetz. Wie die einzelnen Warnmittel funktionieren, erklärt Warn-App NINA, Cell Broadcast & Sirenen.

Welches Radio? Drei Energiequellen

Die Kurbel ist ein Reserve-Generator, kein Hauptantrieb: Je nach Modell bringt eine Minute Kurbeln oft nur einige Minuten Radio, und „Handy laden per Kurbel“ funktioniert in der Praxis kaum. Kauf deshalb ein Radio mit normalen AA/AAA-Batterien, Kurbel und kleinem Solarfeld, mit UKW-Empfang (idealerweise zusätzlich DAB+), guter Teleskopantenne und Leuchte. Mit einem Satz Batterien läuft ein sparsames Radio viele Stunden. Passt das Format zu deinen Lampen, teilen sich beide einen Vorrat – siehe Licht ohne Strom.

  • UKW-Frequenz des Landessenders und eines zweiten Senders auf einen Zettel am Radio kleben – Senderspeicher sind nach einem Batteriewechsel oft gelöscht
  • Zu festen Zeiten hören (meist zur vollen und halben Stunde), dazwischen ausschalten
  • Das Wichtigste mit Uhrzeit notieren – ein Zettel am Radio stoppt Gerüchte
  • Autoradio als Reserve: läuft eine Zeit lang ohne Motor, aber Starterbatterie nicht leerhören und den Motor niemals in einer geschlossenen Garage laufen lassen

Funk ohne Handynetz: die vier Optionen im Vergleich

Für die Familie im Wohnort ist Funk der einzige Weg, ohne Netz in beide Richtungen zu sprechen. Für Privatleute kommen vier Systeme infrage:

SystemAnmeldung & KostenKanäle / LeistungRealistische ReichweiteEignung
PMR446anmelde- und gebührenfrei, EU-weit nutzbarneuere Geräte 16 analoge Kanäle (ältere 8), max. 0,5 W ERP, fest verbaute AntenneStadt oft 0,5–2 km, freies Gelände einige KilometerFamilie im Wohnort, Nachbarschaft, Haus und Garten
Freenetanmelde- und gebührenfrei, nur in Deutschland; Allgemeinzuteilung derzeit befristet (Stand 2026: bis Ende 2029)6 Kanäle im 149-MHz-Band, max. 0,5 W ERPähnlich wie PMR446Ausweichsystem, weniger belegt; Geräte seltener
CB-Funkanmelde- und gebührenfrei27-MHz-Band; Handgerät, Auto- oder FeststationHandgerät wenige Kilometer, Station mit Dachantenne oft deutlich mehrgrößere Distanzen im Ort und Umland, Auto zu Haus
AmateurfunkPrüfung bei der Bundesnetzagentur und Rufzeichen; seit 2024 Einsteigerklasse NKlasse N: 10-m-, 2-m- und 70-cm-Band, max. 10 Wdirekt einige bis viele Kilometer, über Relais regionalwer sich ernsthaft einarbeitet; nur Lizenzinhaber senden

Reichweiten sind grobe Erfahrungswerte, keine Messdaten. Bebauung, Gelände, Antenne und Standorthöhe entscheiden. Werbeangaben wie „bis zu 10 km“ beziehen sich meist auf freie Sicht von Berg zu Berg.

Was du über PMR-Funkgeräte wissen musst

PMR446 ist für die meisten Familien der richtige Einstieg: günstig, ohne Prüfung, leicht zu bedienen. Drei Punkte stehen in keinem Werbetext:

  • Jeder kann mithören. „Privatcodes“ (CTCSS/DCS) sind keine Verschlüsselung, sie filtern nur, was du hörst. Nie Adresse, Vorräte, Abwesenheiten oder Kindernamen mit Ort durchgeben.
  • Batterietyp prüfen. Besser als fest eingebaute Akkus sind Geräte, die auch AA- oder AAA-Batterien aufnehmen.
  • Höhe schlägt Leistung. Die 0,5 W sind fix, der Standort nicht: Obergeschoss-Fenster, Balkon oder Hügel bringen mehr als jede Gerätewahl. Im Keller und zwischen Betonbauten bricht die Reichweite ein.
§ Rechtslage

PMR446, Freenet und CB-Funk sind über Allgemeinzuteilungen der Bundesnetzagentur anmelde- und gebührenfrei nutzbar – aber nur mit zugelassenen Geräten im Originalzustand. Umgebaute Geräte, Leistungsverstärker oder externe Antennen an PMR-Geräten sind nicht erlaubt. Auf Amateurfunkfrequenzen darf nur senden, wer die Prüfung abgelegt und ein Rufzeichen zugeteilt bekommen hat; Familienmitglieder ohne Prüfung dürfen dort nicht einfach mitfunken. Hören ist auf allen genannten Frequenzen erlaubt.

Mythos„Mit dem Funkgerät kann ich im Notfall direkt Feuerwehr oder Polizei rufen.“
FaktPolizei, Feuerwehr und Rettungsdienst funken im eigenen, verschlüsselten Behörden-Digitalfunk. Mit PMR-, Freenet- oder CB-Geräten erreichst du sie nicht. Funk verbindet dich mit Familie und Nachbarn – den Notruf setzt du ohne Netz an der Feuerwache oder einer Anlaufstelle ab.

Ergänzende Technik

Manche Smartphones bieten inzwischen Notruf per Satellit – prüfe, ob dein Gerät und dein Land das unterstützen. LoRa-Mesh-Geräte im anmeldefreien 868-MHz-Band reichen kurze Textnachrichten über private Knoten weiter. Beides kann helfen, ersetzt aber keinen Treffpunkt-Plan.

Aus dem Handbuch

Funkgeräte ohne Plan sind fast wertlos: Niemand kennt den Kanal, die Akkus sind leer, auf dem Standardkanal plappern Fremde. In Kapitel 7 des Krisenvorsorge-Systems legen wir deshalb einen kompletten Familien-Funkplan an – mit Haupt- und Ausweichkanal, festen Funkzeiten, Rufnamen, Standardsätzen und einem Übungstermin. Einen Auszug zeigt die Leseprobe.

Tiefer einsteigen? Kapitel 2 „Blackout“, Kapitel 4 „Die ersten 72 Stunden“ und Kapitel 7 „Energie, Licht & Kommunikation“ im Krisenvorsorge-System zeigt dir den kompletten Plan.

Leseprobe ansehen →

Treffpunkte: der Plan, der ohne Technik funktioniert

Die zuverlässigste Kommunikation im Blackout ist eine Absprache, die vorher getroffen wurde. Bewährt hat sich die 4-Punkte-Regel:

  1. Treffpunkt nahEin Ort in Laufweite, falls die Wohnung nicht nutzbar ist – etwa vor der Schule oder an einem markanten Platz im Viertel.
  2. Treffpunkt fernEin Ort außerhalb des Viertels, falls das ganze Gebiet betroffen ist oder geräumt wird – zum Beispiel bei Verwandten im Nachbarort.
  3. Kontaktperson außerhalb der RegionJemand weit weg, bei dem sich alle melden, sobald irgendein Kanal funktioniert. Fernverbindungen kommen oft eher durch als lokale.
  4. CodewortEin Wort, an dem Kinder erkennen, dass eine fremde Person wirklich von euch geschickt wurde. Nie aufschreiben, nie über Funk.

Kinder sollten Treffpunkte und Telefonnummern nicht nur im Handy haben, sondern auf Papier im Ranzen. Wie so eine Karte aussieht, zeigt Notfallkarte für Kinder – mit Vorlage zum Ausfüllen.

Notfall-Infopunkte: wo du ohne Telefon Hilfe bekommst

Notfall-Infopunkte sind Orte, an denen Bürger bei einem Ausfall von Strom und Telekommunikation Hilfe und Informationen bekommen. Die Namen sind uneinheitlich: Notfall-Infopunkt, Notfalltreffpunkt, Anlaufstelle oder – in Berlin – Katastrophenschutz-Leuchtturm. Häufig sind es Feuerwehrhäuser, Rathäuser, Schulen oder Gemeindezentren mit Notstrom.

Was du nicht erwarten solltest

Nicht jede Gemeinde hat solche Stellen, und nicht jede bietet alles. Ein Ladepunkt für tausende Handys ist realistisch nicht zu erwarten. Die Stelle ersetzt keine eigene Vorsorge.

Achtung: Finde es heraus, bevor das Licht ausgeht

Im Blackout kannst du nicht mehr googeln. Recherchiere jetzt bei Stadt, Landkreis oder Feuerwehr, notiere die zwei nächsten Anlaufstellen mit Adresse und Fußweg auf Papier und lege den Zettel zu deinen Notfallunterlagen. Gibt es bei dir noch keine, frag nach – auch das ist Vorsorge.

Checkliste: erreichbar bleiben ohne Netz

  • Radio mit Batterie, Kurbel und Solar
  • UKW-Frequenzen auf Papier am Radio
  • Zwei Anlaufstellen mit Adresse notiert
  • Treffpunkt nah und fern vereinbart
  • Kontaktperson außerhalb der Region
  • Familien-Codewort festgelegt
  • Notfallkarte im Ranzen jedes Kindes
  • PMR-Funkgeräte mit Batteriefach, Kanal vereinbart
  • Funkgeräte zweimal im Jahr laden und testen
  • Powerbank geladen, Handy-Flugmodus-Regel bekannt

Ein guter Übungstermin ist der bundesweite Warntag am zweiten Donnerstag im September: Funkgeräte laden, Reichweite im Ort testen, Radiofrequenzen prüfen. Was du sonst in den ersten Stunden tust, steht in Stromausfall – was tun?; alle Bausteine der Vorsorge findest du unter Blackout vorbereiten.

Häufige Fragen

Brauche ich für PMR446-Funkgeräte eine Lizenz?

Nein. PMR446 ist über eine Allgemeinzuteilung der Bundesnetzagentur anmelde- und gebührenfrei und EU-weit nutzbar – allerdings nur mit zugelassenen Geräten im Originalzustand. Externe Antennen, Verstärker oder Umbauten sind nicht erlaubt.

Wie weit reicht ein PMR-Funkgerät wirklich?

In der Stadt meist 0,5 bis 2 Kilometer, im freien Gelände einige Kilometer. Angaben wie „bis zu 10 km“ beziehen sich auf freie Sicht etwa von Berg zu Berg. Ein erhöhter Standort – Obergeschoss, Balkon, Hügel – bringt mehr als jede Gerätewahl.

Kann jeder meinen Funk mithören?

Ja. Die sogenannten Privatcodes (CTCSS/DCS) sind keine Verschlüsselung, sie filtern nur, was du hörst. Gib deshalb nie Adresse, Vorräte, Abwesenheiten oder Kindernamen mit Ort durch und nutze Rufnamen statt Klarnamen.

Was ist die Amateurfunk-Klasse N?

Die Klasse N ist seit Juni 2024 die Einsteigerklasse im Amateurfunk. Sie erfordert eine Prüfung bei der Bundesnetzagentur und ein Rufzeichen und erlaubt Betrieb auf dem 10-m-, 2-m- und 70-cm-Band mit bis zu 10 Watt. Über Relaisstationen sind damit regionale Verbindungen möglich.

Funktioniert ein SMS bei Netzüberlastung besser als ein Anruf?

Oft ja. Eine SMS braucht kaum Netzkapazität und wird zwischengespeichert, bis sie zugestellt werden kann. Ist das Netz komplett ausgefallen, hilft aber auch die SMS nicht mehr.

Wo setze ich einen Notruf ab, wenn kein Telefon geht?

An der nächsten Feuerwache oder an einem kommunalen Notfall-Infopunkt bzw. einer Anlaufstelle. Dort wird der Notruf über Behördenfunk weitergegeben. Viele Kommunen haben solche Stellen festgelegt – in Berlin heißen sie Katastrophenschutz-Leuchttürme.

Quellen & weiterführendBundesnetzagentur – Allgemeinzuteilungen für PMR446, Freenet und CB-Funk; Informationen zum Amateurfunk (Klasse N) · BBK – Informationen zur Warnung der Bevölkerung (MoWaS, NINA, Cell Broadcast, Warntag) · BBK – Ratgeber für Notfallvorsorge · TAB-Arbeitsbericht Nr. 141

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