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Blackout & Stromausfall

Stromausfall – was tun? Der Plan für die ersten 72 Stunden

Aktualisiert: Lesezeit: 7 Min.Von der Verheimlicht-Redaktion
Kurz beantwortet

Bei einem Stromausfall klärst du in den ersten 15 Minuten die Lage (Sicherungskasten, Nachbarn, Straßenlaternen), sicherst in Stunde 1 Wasser, solange noch Druck da ist, bleibst ab Stunde 2 über ein Batterieradio informiert und haushaltest ab Tag 2 mit Kühlschrank, Gefriergut und Vorräten – in genau dieser Reihenfolge. Taschenlampe statt Kerze, und nichts, was verbrennt, in geschlossenen Räumen.

Das Licht geht aus, der Kühlschrank verstummt, der Router blinkt nicht mehr. Was du jetzt in den ersten 60 Minuten tust, entscheidet darüber, wie gut du die nächsten drei Tage überstehst – und fast alle teuren Fehler passieren genau in dieser Stunde.

Bei Stromausfällen in Spanien und Portugal 2025 und in Berlin 2025/26 kamen nicht unbedingt die mit dem größten Vorratskeller am besten durch, sondern die, die in der richtigen Reihenfolge gehandelt haben. Hier ist diese Reihenfolge.

15 Min.um zu klären: nur deine Wohnung, die Straße oder die ganze Region?
Stunde 1Wasser abfüllen, solange die Leitung noch Druck hat
72 hso lange sollst du laut EU-Kommission ohne Hilfe auskommen

Erste Frage: Nur du, deine Straße oder die ganze Region?

Die wichtigste Entscheidung der ersten Minuten ist die Lagebeurteilung. Davon hängt ab, ob du nur einen Schalter umlegst oder den kompletten 72-Stunden-Plan startest. Drei Beobachtungen genügen:

Wie groß ist der Stromausfall? In drei Fragen zur Antwort
1. Schalter im Sicherungskasten gefallen? 2. Licht bei Nachbarn oder im Treppenhaus? 3. Ampeln, andere Viertel dunkel? Radio meldet es? NEIN NEIN JA JA NUR STRASSE WEIT NUR DEINE WOHNUNG Geräte aus, Schalter rein. Fliegt er wieder raus: Gerät suchen, Elektriker HAUSANSCHLUSS Hauptsicherung prüfen, Vermieter oder Netzbetreiber anrufen LOKAL Störungsseite prüfen, Wasser vorsorglich sichern GROSSLAGE voller 72-Stunden-Plan, Phasen 1–4 Im Zweifel immer vom größeren Szenario ausgehen.
Vereinfachte Darstellung. Bei Tageslicht helfen Ampeln, Leuchtreklamen und Geräusche (Alarmanlagen, verstummte Lüftungen) bei der Einschätzung.
BeobachtungBedeutungWas du tust
Leitungsschutz- oder FI-Schalter ist gefallenProblem in deiner WohnungGeräte im Stromkreis aus, Schalter wieder ein; fliegt er erneut, Gerät suchen
Nur dein Haus dunkel, Nachbarhäuser hellHausanschluss oder ZählerVermieter bzw. Netzbetreiber informieren
Straße dunkel, Radio meldet Störung im StadtteilLokaler AusfallStörungsseite des Netzbetreibers prüfen, Wasser vorsorglich abfüllen
Ampeln und andere Viertel dunkel, Sondermeldungen, Handynetz wird schwächerGroßflächiger AusfallKompletten 72-Stunden-Plan starten

Ein guter Hinweis auf eine Großlage ist dein Handy: Springt die Anzeige von 5G/LTE auf eine schwächere Verbindung oder verschwindet das Netz nach einiger Zeit ganz, gehen gerade Mobilfunkstandorte aus, deren Akkupuffer leer ist. Das passiert nur bei flächigen Ausfällen. Warum das so ist und was danach typischerweise ausfällt, zeigt der Ratgeber Blackout-Ablauf.

Die 4 Phasen des Stromausfalls

Ein längerer Stromausfall ist keine einzelne Situation, sondern eine Abfolge von Lagen, die sich stündlich verändern. Jede Phase hat genau eine Hauptaufgabe. Merksatz: Erst schauen, dann schöpfen, dann hören, dann haushalten.

0–15 MIN

Lage klären

Taschenlampe statt Kerze. Sicherungskasten prüfen, aus dem Fenster auf Nachbarhäuser, Laternen und Ampeln schauen. Radio an.

STUNDE 1

Wasser sichern

Solange Druck da ist: Badewanne, Kanister, Töpfe füllen. Herd und Bügeleisen auf „Aus“, empfindliche Geräte ausstecken.

STD. 2–24

Informiert bleiben

Radio zu festen Zeiten, Handy in den Flugmodus. Im Winter einen Raum als Wärmeinsel herrichten.

TAG 2–3

Haushalten

Erst Kühlschrank, dann Gefriergut, dann Vorräte. Toilette mit dem Eimer spülen. Nachbarn besuchen. Kräfte, Akkus und Wasser einteilen.

Wer das verinnerlicht hat, macht in der ersten Stunde nicht alles gleichzeitig und steht am dritten Tag nicht erschöpft und ohne Reserven da. Die Übersicht über alle Bausteine der Vorbereitung – Wasser, Wärme, Licht, Strom, Kommunikation, Geld – findest du auf der Seite Blackout vorbereiten.

Sofortmaßnahmen: die 6 Dinge, die in die erste Stunde gehören

In der ersten Stunde sind viele Systeme noch gepuffert: Mobilfunkmasten laufen über Akkus, Wasser fließt, der Kühlschrank ist kalt. Dieses Zeitfenster musst du nutzen.

  1. Licht ohne FlammeGriff zur Stirn- oder Taschenlampe, die immer am selben Platz liegt. Mit einer Kerze in der Hand durch die dunkle Wohnung zu suchen, ist der klassische Beginn eines Wohnungsbrands.
  2. Geräte sichernHerd, Backofen, Bügeleisen, Heizlüfter, Haartrockner ausschalten – sie springen sonst bei Rückkehr des Stroms an, womöglich nachts. Computer, Fernseher und Router ausstecken (Spannungsspitzen). Eine Lampe bleibt an: dein Signal.
  3. Wasser abfüllenBei Straßen- oder Regionalausfall sofort: erst Trinkwasser in saubere Flaschen und Kanister, dann Brauchwasser in die Badewanne. In Hochhäusern mit Druckerhöhungspumpen zählt jede Minute. Wie viel du brauchst, rechnet der Ratgeber Wasservorrat anlegen vor.
  4. Kühlschrank zulassenÜberlege, was drin ist, ohne die Tür zu öffnen. Wenn, dann einmal gezielt alles für die nächste Mahlzeit herausnehmen. Die Gefriertruhe bleibt ganz zu.
  5. Informationen holen – sparsamBatterie- oder Kurbelradio auf den regionalen UKW-Sender. Ein kurzer Blick in die Warn-App, solange das Netz noch geht. Kein Scrollen durch soziale Medien – das kostet Akku und bringt Gerüchte.
  6. Familie und NachbarnSind alle erreichbar? Wo sind die Kinder? Dann kurz bei älteren Nachbarn klopfen: Steckt jemand im Aufzug fest? Braucht jemand Strom für ein medizinisches Gerät?
Aus dem Handbuch

Diese sechs Punkte sind der Kern. Im Krisenvorsorge-System steht in Kapitel 4 der vollständige Minute-für-Minute-Plan für die erste Stunde – mit Entscheidungsbaum, Kühlschrank-Strategie, Toiletten-Notlösung und einem Aushang zum Ausschneiden, den du im Dunkeln mit der Taschenlampe abarbeitest. Ein Auszug steht in der kostenlosen Leseprobe.

Profi-Tipp: das „Erste-Stunde-Fach“

Richte in Türnähe eine Schublade oder Box ein: Stirnlampe mit frischen Batterien, Radio, Feuerzeug, die Störungsnummer deines Netzbetreibers auf Papier, ein Stift. Wenn es dunkel wird, greifst du blind hinein. Teste die Lampe einmal im Monat.

Tiefer einsteigen? Kapitel 2 „Blackout“, Kapitel 4 „Die ersten 72 Stunden“ und Kapitel 7 „Energie, Licht & Kommunikation“ im Krisenvorsorge-System zeigt dir den kompletten Plan.

Leseprobe ansehen →

Handy und Akku: Strom ist jetzt eine Währung

Router und Internet-Festnetz fallen sofort aus. Das Handynetz hält meist länger, ist aber schnell überlastet. Ein Smartphone verbraucht in einem schwachen Netz besonders viel Strom, weil es ständig mit hoher Sendeleistung nach einem Mast sucht. Deshalb gilt:

  • Flugmodus an und nur etwa einmal pro Stunde kurz einschalten, Nachrichten prüfen, wieder aus.
  • SMS statt Anruf: Kurze Textnachrichten kommen in überlasteten Netzen oft noch durch.
  • Energiesparmodus, minimale Helligkeit, WLAN, Bluetooth und Standort aus.
  • Ein Gerät bleibt komplett aus – als Reserve für den Notfall.
Rechenbeispiel

Eine Powerbank mit 20.000 mAh hat bei 3,7 V Zellspannung rund 74 Wh (mAh × 3,7 ÷ 1.000). Nach Wandlungsverlusten kommen realistisch etwa zwei Drittel an, also rund 50 Wh. Ein typisches Smartphone fasst 15–19 Wh – macht knapp drei volle Ladungen, nicht vier oder fünf. Mit Flugmodus-Strategie reicht das für ein Handy deutlich über 72 Stunden. Mehr zur Rechnung mit Wattstunden: Powerstation & Notstrom.

Der wichtigste Kanal ist ab jetzt das Radio. Behörden informieren über UKW, Nachrichten kommen meist zur vollen Stunde. Schalte gezielt ein, notiere das Wichtigste auf einem Zettel und schalte wieder aus. Was du tust, wenn auch das Handynetz weg ist, erklärt Kommunikation ohne Handynetz.

Wärme, Kühlung, Toilette: die Themen ab Tag 1

Wärme

Fast jede Zentralheizung braucht Strom – auch Gas- und Ölheizungen. Im Winter heißt die Strategie: Türen zu, Rollläden nachts runter, ab dem ersten Abend ein kleiner Raum für alle, Kleidung in Schichten und Mütze auch drinnen. Wie du diese Wärmeinsel einrichtest und welche Heizversuche lebensgefährlich sind, steht in Heizen ohne Strom.

Kühlschrank und Gefriertruhe

Ein geschlossener Kühlschrank hält rund vier Stunden kalt, eine volle Gefriertruhe bis etwa 48 Stunden, eine halb volle etwa 24 Stunden. Die Reihenfolge: erst den Kühlschrank aufessen, dann Gefriergut, dann Vorräte. Was du wegwerfen musst, zeigt Kühlschrank & Gefriertruhe bei Stromausfall.

Toilette

Solange das Abwassersystem funktioniert, spülst du mit einem Eimer: 4 bis 6 Liter Brauchwasser zügig und in einem Schwung direkt in die Schüssel gießen, nicht in den Spülkasten. Der Schwall erzeugt den nötigen Sog. Niemals Trinkwasser dafür verwenden.

Achtung: Rückstau im Keller

Viele Häuser pumpen Abwasser aus Keller oder Souterrain mit einer Hebeanlage in den Kanal. Ohne Strom steht sie still. Wer dann unten weiter spült, duscht oder wäscht, riskiert Abwasser im Keller. Prüfe schon heute, ob es eine Rückstausicherung gibt und wie du sie von Hand schließt.

Was du bei Stromausfall auf keinen Fall tun solltest

Mythos„Bei Stromausfall wird es halt ein gemütlicher Kerzenabend.“
FaktFeuerwehren warnen nach Stromausfällen regelmäßig vor Bränden durch Kerzen und Teelichter. Im Blackout ist die Feuerwehr zudem schwerer zu erreichen. Batterielicht zuerst – Kerzen, wenn überhaupt, nur standfest, auf nicht brennbarer Unterlage und nie unbeaufsichtigt.
  • Grill, Gaskocher oder Heizstrahler für draußen in der Wohnung benutzen. Kohlenmonoxid ist geruchlos und tötet lautlos. Auch ein Stromaggregat gehört ausschließlich ins Freie – nie in Keller, Garage oder Treppenhaus.
  • Das Auto in der Garage laufen lassen, um Handys zu laden – auch nicht bei offenem Tor.
  • Ins Auto steigen, „um mal zu schauen“. Ampeln sind aus, Tankstellen zapfen ohne Strom in der Regel nicht, und der Sprit ist danach weg.
  • Ständig in den Kühlschrank schauen. Jedes Öffnen kostet Kälte.
  • Den Handy-Akku am ersten Abend leer scrollen. Er fehlt dir an Tag 2.
  • Gerüchten mehr glauben als dem Radio. Amtliche Informationen kommen über UKW, Lautsprecherwagen und Aushänge.
  • Menschen aus einem steckengebliebenen Aufzug selbst befreien. Der Fahrkorb kann sich bewegen, wenn der Strom zurückkommt. Beruhigen, Notdienst informieren.

Wenn der Strom zurückkommt

Nach einem größeren Ausfall bauen Netzbetreiber das Netz schrittweise wieder auf. Es kann flackern, und der Strom kann noch einmal ausfallen. Die erste halbe Stunde ist deshalb eine eigene Phase:

  • Signallampe geht an: 10–15 Minuten warten, ob die Versorgung stabil bleibt
  • Kühlschrank und Gefriertruhe prüfen, Türen weiter geschlossen halten, bis die Temperatur wieder erreicht ist
  • Heizung kontrollieren – viele Anlagen brauchen nach einem Ausfall einen Reset laut Bedienungsanleitung
  • Geräte einzeln wieder einschalten, Großverbraucher wie Waschmaschine und Backofen zuletzt
  • Kühlgut nach Temperatur beurteilen, nicht nach Geruch; verdorbene Mengen vor dem Entsorgen fotografieren
  • Auf Abkochgebote für Leitungswasser achten (Radio, Warn-App, Aushänge)
  • Noch am selben Tag aufschreiben: Was hat gefehlt, was war überflüssig?
Fakt

Der TAB-Arbeitsbericht Nr. 141 des Bundestags kommt zu dem Ergebnis, dass bei einem großflächigen, lang andauernden Stromausfall schon nach wenigen Tagen die flächendeckende Versorgung der Bevölkerung kaum noch sicherzustellen wäre. Die 72 Stunden der EU-Kommission sind deshalb die Untergrenze, die 10 Tage des BBK das Ziel.

Wer Kinder hat, sollte die erste Stunde vorher einmal durchspielen – als „Licht-aus-Abend“ wird daraus fast ein Abenteuer. Wie ihr Treffpunkte und eine Kinder-Notfallkarte festlegt, zeigt Notfallkarte für Kinder.

Häufige Fragen

Wen rufe ich bei Stromausfall an?

Zuständig ist der örtliche Verteilnetzbetreiber – nicht dein Stromlieferant. Name und Störungsnummer stehen auf deiner Stromrechnung; schreib sie vorher auf Papier. Bei Lebensgefahr gilt immer der Notruf 112.

Wie lange dauert ein Stromausfall normalerweise?

In Deutschland fällt der Strom laut Bundesnetzagentur im Schnitt nur rund zwölf Minuten pro Jahr aus, die meisten Störungen sind nach Minuten bis wenigen Stunden behoben. Sind Leitungen oder Masten beschädigt, kann es Tage dauern – in Berlin 2025 waren es rund zweieinhalb Tage.

Soll ich bei Stromausfall die Sicherungen ausschalten?

Nicht die Sicherungen, aber Geräte: Schalte Herd, Backofen, Bügeleisen und Heizlüfter auf „Aus“ und stecke empfindliche Elektronik aus. Lass eine einzige Lampe eingeschaltet – sie zeigt dir, wann der Strom zurück ist.

Kann ich bei Stromausfall die Toilette benutzen?

Ja, solange das Abwassersystem funktioniert. Gieß zum Spülen einen Eimer mit etwa 4 bis 6 Litern Brauchwasser zügig direkt in die Schüssel. Wer im Keller eine Hebeanlage hat, sollte dort während des Ausfalls nichts einleiten, sonst droht Rückstau.

Funktioniert der Notruf 112 bei Stromausfall?

Solange das Handynetz läuft, ja – auch ohne Guthaben. Fällt der Mobilfunk großflächig aus, kommen Notrufe oft nicht mehr durch. Dann setzt du einen Notruf an der nächsten Feuerwache oder einer kommunalen Notfall-Anlaufstelle ab.

Was mache ich, wenn der Strom zurückkommt?

Warte etwa 10 bis 15 Minuten, ob die Versorgung stabil bleibt, und schalte Geräte dann einzeln wieder ein, große Verbraucher zuletzt. Prüfe die Heizung (oft ist ein Reset nötig), kontrolliere Kühl- und Gefriergut und achte auf mögliche Abkochgebote für Leitungswasser.

Quellen & weiterführendBBK – Ratgeber für Notfallvorsorge und richtiges Handeln in Notsituationen · BBK – Informationen zum Stromausfall · TAB-Arbeitsbericht Nr. 141 · Europäische Kommission – Preparedness Union Strategy (März 2025) · Bundesnetzagentur – Kennzahlen zur Versorgungsunterbrechung Strom · Feuerwehrverbände – Hinweise zu Brandschutz und Kohlenmonoxid

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