Powerstation & Notstrom: Was lohnt sich wirklich?
Eine Powerstation ist im Blackout kein Notstrom fürs Haus, sondern eine Ladestation für Licht, Handys, Radio und Medizingeräte. Rechne mit rund 85 % der Nennkapazität über die 230-V-Steckdose: Eine 1.000-Wh-Station betreibt eine 5-W-Lampe rund 170 Stunden, einen 2.000-W-Heizlüfter nur etwa 25 Minuten. Für die meisten Haushalte genügen 300–500 Wh; ein normales Balkonkraftwerk liefert bei Netzausfall in der Regel keinen Strom.
„Versorgt dein ganzes Haus!“ – kaum ein Bereich der Vorsorge ist so von Werbeversprechen geprägt wie Notstrom-Technik. Die gute Nachricht: Du brauchst nur eine einzige Einheit zu verstehen, um jede Werbung zu durchschauen. Sie heißt Wattstunde.
Die Wattstunden-Rechnung in einer Zeile
Eine Wattstunde (Wh) ist die Energiemenge, die ein Gerät mit 1 Watt Leistung in einer Stunde verbraucht. Die Kapazität einer Powerstation steht in Wh auf dem Gerät, die Leistung deiner Geräte in Watt auf Typenschild oder Netzteil. Dann gilt:
Laufzeit (h) = nutzbare Wattstunden ÷ Leistung des Geräts (W)
Der Haken liegt im Wort „nutzbar“: Der Wechselrichter für die 230-V-Steckdose verliert Energie als Wärme und verbraucht eingeschaltet selbst Strom. Rechne realistisch mit rund 80–85 % der Nennkapazität.
Beispiel: 1.000 Wh × 0,85 = 850 Wh nutzbar. Ein Laptop mit 45 W läuft damit 850 ÷ 45 ≈ 19 Stunden. Ein Heizlüfter mit 2.000 W: 850 ÷ 2.000 ≈ 0,4 Stunden, also rund 25 Minuten.
Daraus folgt die wichtigste Regel: Über USB und 12 V verlierst du weniger als über den Wechselrichter. Schalte den 230-V-Ausgang nur ein, wenn du ihn brauchst, und lade alles, was per USB geht, auch per USB.
Und die Powerbank?
Powerbanks werden in mAh beworben, und diese Zahl ist irreführend, weil sie sich auf die interne Zellspannung von rund 3,7 V bezieht. Umrechnung: Wh = mAh × 3,7 ÷ 1.000. Eine 20.000-mAh-Powerbank hat damit rund 74 Wh, nach Wandlungsverlusten kommen etwa zwei Drittel an – das sind knapp drei Ladungen eines typischen Smartphones mit 15–19 Wh, nicht vier oder fünf. Viele Hersteller drucken die Wh-Zahl inzwischen aufs Gehäuse: Vergleiche beim Kauf diesen Wert. Wie du das Akku-Budget im Ernstfall mit Flugmodus-Strategie streckst, steht in Stromausfall – was tun?.
Tabelle: Was läuft wie lange an der Powerstation?
| Verbraucher (Beispielwerte) | Leistung | 300 Wh (≈ 255 nutzbar) | 1.000 Wh (≈ 850 nutzbar) |
|---|---|---|---|
| LED-Laterne | 5 W | ≈ 50 h | ≈ 170 h |
| Radio (klein, netzbetrieben) | 3 W | ≈ 85 h | ≈ 280 h |
| Smartphone voll laden (inkl. Verluste ≈ 20 Wh) | – | ≈ 12 Ladungen | ≈ 40 Ladungen |
| WLAN-Router | 12 W | ≈ 21 h | ≈ 70 h |
| Laptop (Durchschnitt) | 45 W | ≈ 5–6 h | ≈ 19 h |
| Kompressor-Kühlbox (Durchschnitt) | 35 W | ≈ 7 h | ≈ 24 h |
| CPAP-Gerät ohne Befeuchter (stark modellabhängig) | 40 W | ≈ 6 h | ≈ 21 h |
| Heizdecke (mittlere Stufe) | 60 W | ≈ 4 h | ≈ 14 h |
| Steuerung und Pumpe einer Gasheizung (Beispiel) | 100 W | ≈ 2,5 h | ≈ 8,5 h |
| Kühlschrank (≈ 0,5 kWh pro Tag) | – | ≈ 12 h | ≈ 1,7 Tage |
| Wasserkocher (1 Liter ≈ 0,12 kWh) | 2.000 W | meist zu viel Leistung | ≈ 7 Liter |
| Heizlüfter | 2.000 W | meist zu viel Leistung | ≈ 25 Min. |
Gerundete Beispielrechnungen mit 85 % nutzbarer Kapazität. Kleine Stationen haben oft nur 300 W Dauerleistung – Geräte mit 2.000 W laufen dort gar nicht. Geräte mit hohem Anlaufstrom (Kühlschrank, Kompressoren, Pumpen) brauchen ausreichend Spitzenleistung. Die echten Werte deiner Geräte stehen auf dem Typenschild.
Beim Kühlschrank lohnt sich die Rechnung selten: Die Station wäre nach gut einem Tag leer, und die Lebensmittel halten bei geschlossener Tür ohnehin einige Stunden. Welche Strategie stattdessen funktioniert, zeigt Kühlschrank & Gefriertruhe bei Stromausfall.
Dein Router hängt an Verteilerkästen und Vermittlungsstellen, die selbst Strom brauchen und oft nur kurz gepuffert sind. Bei einem großflächigen Ausfall ist das Internet häufig bald weg, egal ob dein Router läuft. Plane die Powerstation deshalb für Licht, Handy-Akkus (Offline-Karten, Dokumente), Radio und Medizin – nicht fürs WLAN.
Notstrom-Rechner: Wie lange reicht deine Powerstation?
Trag deine eigenen Geräte und die Kapazität deiner Station ein – der Rechner zeigt dir, was wie lange läuft und ob die Leistung reicht.
Tiefer einsteigen? Kapitel 2 „Blackout“, Kapitel 4 „Die ersten 72 Stunden“ und Kapitel 7 „Energie, Licht & Kommunikation“ im Krisenvorsorge-System zeigt dir den kompletten Plan.
Leseprobe ansehen →Worauf du beim Kauf achten solltest
Für die meisten Haushalte ist eine Powerstation eine Ladestation für Kommunikation, Licht und ein, zwei wichtige Kleingeräte. Diese fünf Kriterien entscheiden:
- Zellchemie LiFePO4Lithium-Eisenphosphat gilt als thermisch stabiler und erreicht laut Herstellern deutlich mehr Ladezyklen als ältere Lithium-Ionen-Zellen – die bessere Wahl für ein Gerät, das jahrelang im Schrank steht und im Ernstfall in der Wohnung läuft.
- Reiner Sinus am 230-V-Ausgang„Pure Sine Wave“ ist wichtig für Medizingeräte, empfindliche Netzteile und Heizungssteuerungen.
- Dauer- und Spitzenleistung300–600 W Dauerleistung genügen für Laptop, Lampen, Router und CPAP. Für Kühlgeräte auf die Spitzenleistung achten.
- LadeoptionenSteckdose, 12-V-Autobuchse und Solareingang – Spannungsbereich und maximale Solarleistung prüfen.
- USV-Funktion bei MedizingerätenSoll ein Gerät nahtlos weiterlaufen, Umschaltzeit laut Hersteller prüfen und mit Arzt oder Gerätelieferant abklären.
Wer ein lebenswichtiges Gerät betreibt – Heimbeatmung, Sauerstoffkonzentrator, Ernährungspumpe –, plant den Notstrom nicht allein, sondern mit Arzt und Hilfsmittelversorger. Mehr dazu in Notfallvorsorge für Senioren & Pflegebedürftige.
Keine bezahlbare Powerstation heizt eine Wohnung. Eine Heizdecke mit 30–100 W hält an einer 1.000-Wh-Station aber eine ganze Nacht. Wie du ohne Strom sicher warm bleibst, steht in Heizen ohne Strom.
Solarpanel im Winter: realistisch rechnen
Die Nennleistung eines Faltpanels („100 W“) gilt unter Laborbedingungen. In Deutschland liefert ein 100-W-Panel an einem guten Sommertag grob 300–500 Wh. Im Dezember – tiefe Sonne, kurze Tage, Wolken – sind im Schnitt eher 30–100 Wh pro Tag realistisch, an trüben Tagen fast nichts. Hinter Glas oder im Schatten noch deutlich weniger.
Die Konsequenz: Im Winter reicht ein kleines Panel gerade für ein, zwei Handys und Lampen-Akkus. Stell es steil (im Winter etwa 60–70 Grad) nach Süden, ganz ohne Schatten – Teilverschattung senkt den Ertrag überproportional. Eine leere 1.000-Wh-Station bekommst du im Januar per Solar kaum wieder voll.
Ein normales Balkonkraftwerk liefert bei Stromausfall in der Regel keinen Strom – auch nicht bei strahlendem Sonnenschein. Grund ist der vorgeschriebene NA-Schutz (Netz- und Anlagenschutz) im Wechselrichter: Fällt die Netzspannung weg, schaltet er sich innerhalb kürzester Zeit ab. Das ist Absicht, sonst stünden Leitungen unter Spannung, an denen Techniker arbeiten. Dasselbe gilt für die meisten Dach-PV-Anlagen. Notstrom aus Solar gibt es nur mit Systemen, die ausdrücklich eine Notstrom- oder Ersatzstromfunktion haben – meist mit Batteriespeicher und Netztrennung – oder mit einem separaten Panel an einer Powerstation.
Notstromaggregat: nur mit klaren Regeln
Für Hausbesitzer mit Gefriertruhe, Heizungspumpe oder Hebeanlage kann ein Aggregat sinnvoll sein. Für Mietwohnungen meist nicht: kein sicherer Aufstellort, Lärm, Kraftstofflagerung. Wenn du eines betreibst, gelten ohne Ausnahme diese Regeln:
Ein Benzinmotor produziert sehr viel Kohlenmonoxid – farb- und geruchlos. Das Aggregat gehört niemals in Wohnung, Keller, Garage, Carport mit Wänden, Gartenhaus oder Treppenhaus, auch nicht „mit offenem Tor“. Mehrere Meter Abstand zum Haus, Abgase weg von Fenstern, Türen und Lüftungsöffnungen – auch denen der Nachbarn. CO-Melder im Haus trotzdem aktiv.
- Nie über die Steckdose ins Hausnetz einspeisen. Ein Kabel mit zwei Steckern ist lebensgefährlich – für dich und für Techniker im Netz. Nach § 13 Niederspannungsanschlussverordnung darf die Anlage hinter dem Hausanschluss nur ein in ein Installateurverzeichnis eingetragener Elektrobetrieb ändern; eine Umschalteinrichtung für ein Aggregat ist genau so eine Änderung.
- Inverter-Aggregat für Elektronik: Für Laptop, Medizintechnik und Heizungssteuerung ist ein Inverter-Aggregat mit sauberer Sinusspannung besser als ein Baustellengerät.
- Tanken nur bei abgestelltem, abgekühltem Motor. Benzin auf heißem Auspuff ist eine klassische Brandursache.
- Kraftstoff richtig lagern: nur in zugelassenen Kanistern; Benzin altert und wird ohne Stabilisator nach einigen Monaten deutlich schlechter. Wie viel du wo lagern darfst, regeln je nach Bundesland unter anderem Garagenverordnungen und Brandschutzvorschriften – prüfe außerdem Hausordnung und Mietvertrag.
Das Auto als Ladestation – aber richtig
Eine Autobatterie enthält viel Energie, und über einen 12-V-USB-Adapter lädst du Handys und Powerbanks. Zwei Regeln: Bei stehendem Motor nur kurz laden, sonst ist die Starterbatterie leer und das Auto springt nicht mehr an. Und den Motor ausschließlich im Freien laufen lassen – niemals in der Garage, auch nicht bei offenem Tor, wegen Kohlenmonoxid. Manche Elektroautos können Geräte direkt versorgen (Vehicle-to-Load); ob deins das kann, steht in der Betriebsanleitung.
Was sich wirklich lohnt – und was nicht
Lohnt sich für fast jeden
Powerbanks mit Wh-Angabe · Radio mit Batterie, Kurbel und Solar · Stirnlampe pro Person · CO-Melder
Lohnt sich bei Bedarf
Powerstation 300–1.000 Wh mit LiFePO4 · Faltpanel 100–200 W · Heizdecke · Notstrom-Anschluss der Heizung vom Fachbetrieb
Meist Geldverschwendung
„Haus-Notstrom“-Versprechen kleiner Stationen · Handy-Kurbelladegeräte · Aggregat ohne sicheren Aufstellort im Freien
In Kapitel 7 des Krisenvorsorge-Systems rechnen wir Powerstation, Solar, Kochen und Licht für zehn Tage komplett durch – inklusive Wartungskalender, damit deine Technik im Ernstfall nicht leer ist. Das ganze System mit Checklisten findest du unter Krisenvorsorge-System.
Für Licht brauchst du übrigens oft gar keine Powerstation: Wie du mit Stirnlampen und einem einheitlichen Batterietyp für unter 100 € zehn Tage auskommst, zeigt Licht ohne Strom. Und was du mit geladenem Handy tust, wenn das Netz weg ist, erklärt Kommunikation ohne Handynetz. Alle Vorsorge-Bausteine im Überblick: Blackout vorbereiten.
Häufige Fragen
Welche Powerstation-Größe brauche ich für einen Stromausfall?
Für Handys, Lampen-Akkus und Radio reichen einer Familie meist 300–500 Wh, wenn sparsam genutzt oder nachgeladen wird. 1.000 Wh und mehr lohnen sich, wenn ein CPAP-Gerät, eine Medikamenten-Kühlbox oder eine Heizungssteuerung laufen soll.
Kann eine Powerstation einen Kühlschrank betreiben?
Kurzzeitig ja, wenn die Spitzenleistung für den Anlaufstrom reicht. Ein Kühlschrank mit rund 0,5 kWh Tagesverbrauch leert eine 1.000-Wh-Station aber in grob anderthalb Tagen. Sinnvoller ist meist eine kleine Kompressor-Kühlbox für Medikamente und das Wichtigste.
Funktioniert ein Balkonkraftwerk bei Stromausfall?
In der Regel nein. Der vorgeschriebene Netz- und Anlagenschutz im Wechselrichter schaltet die Anlage ab, sobald die Netzspannung fehlt – auch bei Sonnenschein. Das schützt Techniker, die an der Leitung arbeiten. Notstrom aus Solar gibt es nur mit Systemen mit ausdrücklicher Notstrom- oder Ersatzstromfunktion oder mit einem separaten Panel an einer Powerstation.
Darf ich ein Notstromaggregat in die Steckdose einspeisen?
Nein. Ein Kabel mit zwei Steckern zur Wandsteckdose ist lebensgefährlich – für dich und für Techniker im Netz. Nach § 13 Niederspannungsanschlussverordnung darf die Hausinstallation nur ein eingetragener Elektrobetrieb ändern, also auch eine Umschalteinrichtung für ein Aggregat einbauen.
Wie viel bringt ein Solarpanel im Winter?
Wenig. Ein 100-W-Faltpanel liefert an einem guten Sommertag grob 300–500 Wh, im Dezember im Schnitt eher 30–100 Wh pro Tag, an trüben Tagen fast nichts. Im Winter reicht das für ein, zwei Handys und Lampen-Akkus, nicht zum Vollladen einer großen Station.
Wie viele Handyladungen hat eine Powerbank mit 20.000 mAh?
Realistisch knapp drei. 20.000 mAh × 3,7 V ÷ 1.000 ergibt rund 74 Wh Nennenergie; nach Wandlungsverlusten kommen etwa zwei Drittel im Handy an. Ein typischer Smartphone-Akku fasst 15–19 Wh.