Blackout-Ablauf: Was fällt wann aus?
Bei einem großflächigen Blackout fallen sofort Licht, Internet, Kartenzahlung, Geldautomaten, Zapfsäulen und fast alle Heizungen aus. Nach Stunden folgen typischerweise viele Mobilfunkmasten und – je nach Region – die Wasserversorgung. Ab Tag 2–3 werden Diesel für Notstrom, Lebensmittel und medizinische Versorgung knapp; laut TAB-Arbeitsbericht Nr. 141 ist die flächendeckende Versorgung nach wenigen Tagen kaum noch sicherzustellen.
Ein Blackout beginnt in Sekunden – aber er entfaltet sich über Tage. Erst geht das Licht aus, dann das Handynetz, dann irgendwann das Wasser. Wer die Reihenfolge kennt, weiß in jeder Stunde, was als Nächstes kommt, und handelt, bevor es knapp wird.
Die gründlichste Analyse dazu, was ein großflächiger und lang andauernder Stromausfall in Deutschland bedeuten würde, hat das Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag vorgelegt: den TAB-Arbeitsbericht Nr. 141. Die Forscher gingen Sektor für Sektor durch – Kommunikation, Wasser, Lebensmittel, Gesundheit, Verkehr, Finanzwesen, öffentliche Sicherheit. Diese Seite fasst den typischen Verlauf zusammen.
Warum ein Blackout in Sekunden passiert
Ein Stromnetz funktioniert nur, wenn in jeder Sekunde genauso viel Strom erzeugt wie verbraucht wird. Das Messinstrument für dieses Gleichgewicht ist die Netzfrequenz: Im europäischen Verbundnetz laufen alle großen Generatoren synchron mit 50 Hertz. Fehlt plötzlich Erzeugung, sinkt die Frequenz – und dann entscheidet sich alles in wenigen Sekunden.
| Frequenz | Was passiert |
|---|---|
| 50,0 Hz | Sollwert – Erzeugung und Verbrauch im Gleichgewicht |
| 49,8 Hz | Primärregelleistung voll aktiviert, alle Reserven werden mobilisiert |
| 49,0 Hz | Automatischer, stufenweiser Lastabwurf: ganze Netzgebiete werden getrennt, damit der Rest überlebt |
| 47,5 Hz | Kraftwerke trennen sich zum Selbstschutz vom Netz – Blackout |
Genau so lief es am 4. November 2006: Nach der Abschaltung einer 380-kV-Leitung in Niedersachsen zerfiel das europäische Netz in drei Teile. Im westlichen Teil sank die Frequenz auf rund 49 Hz, der Lastabwurf griff – mehr als zehn Millionen Haushalte waren bis zu rund zwei Stunden ohne Strom, aber ein Totalausfall wurde verhindert. Auf der Iberischen Halbinsel reichte das am 28. April 2025 nicht: Das Netz brach komplett zusammen.
Was fällt wann aus? Die Blackout-Zeitleiste
Die folgende Übersicht zeigt den typischen Verlauf eines großflächigen, lang andauernden Stromausfalls in Anlehnung an den TAB-Bericht. Wichtig: Das sind keine Uhrzeiten, zu denen etwas exakt ausfällt. Ob dein Wasser nach einer Stunde oder nach einem Tag versiegt, hängt davon ab, wie deine Gemeinde versorgt wird, ob das Wasserwerk Notstrom hat und in welchem Stockwerk du wohnst. Lies es als Muster, nicht als Fahrplan.
| Bereich | 0–1 Stunde | 1–24 Stunden | Tag 2–3 | ab Tag 4 |
|---|---|---|---|---|
| Kommunikation | Router und Internet-Festnetz sofort aus, Mobilfunk überlastet | viele Funkmasten fallen aus, Radio wird Hauptquelle | Infos fast nur über Radio, Aushänge, Anlaufstellen | abhängig vom Diesel für Sender-Notstrom |
| Wasser | in Hochhäusern oben oft sofort weg, sonst meist noch Druck | Druck sinkt in Pumpgebieten, Abwasser-Hebeanlagen stehen | Notversorgung über Tankwagen und Ausgabestellen | laut TAB steigende Hygiene- und Gesundheitsrisiken |
| Heizung | praktisch alle Zentralheizungen stoppen | Wohnungen kühlen aus | im Winter kritisch für Ältere, Kranke, Säuglinge | Frostschäden an Leitungen, Evakuierungen möglich |
| Tankstellen | Zapfsäulen ohne Strom, wenige notstromfähig | lange Schlangen, oft nur bar | Diesel wird Engpass-Ressource | laut TAB einer der kritischsten Engpässe |
| Geld | Karte, Geldautomat, Online-Banking aus | offene Läden nehmen nur Bargeld | Wechselgeld knapp, Filialen zu | ohne Bargeld auf Hilfe angewiesen |
| Lebensmittel | die meisten Supermärkte schließen | Kühlschrank nach ≈ 4 h warm | Nachschub stockt; volle Truhe bis ≈ 48 h | staatliche Ausgabestellen |
| Gesundheit | Kliniken auf Notstrom, Heimgeräte auf Akku | Praxen und Apotheken schließen | Treibstoff für Notstrom entscheidend | laut TAB zunehmend nicht aufrechtzuerhalten |
Die wichtigsten Bereiche im Detail
Handynetz und Internet
Dein Router braucht Strom – und mit ihm fällt das Internet-Festnetz, über das heute fast alle Telefone laufen, sofort aus. Das Mobilfunknetz hält länger, aber nicht unbegrenzt: Viele Standorte sind nur für eine begrenzte Zeit über Akkus gepuffert, gleichzeitig versuchen Millionen Menschen zu telefonieren. Erfahrungsgemäß kommen dann eher SMS durch als Anrufe. Bei einem großflächigen Ausfall ist der Mobilfunk nach einigen Stunden weitgehend weg; nur einzelne Standorte mit Notstrom bleiben. Wie du ohne Handynetz Kontakt hältst, zeigt Kommunikation ohne Handynetz.
Wasser und Abwasser
Hier sind die Unterschiede am größten. Gemeinden mit Hochbehältern haben einen natürlichen Puffer, Gebiete mit Pumpbetrieb verlieren den Druck schneller. In Hochhäusern hängen die oberen Etagen an elektrischen Druckerhöhungsanlagen – dort kann das Wasser sofort weg sein. Ebenso unterschätzt: Abwasser-Pumpwerke und Hebeanlagen in Kellern stehen still. Deshalb gilt in der ersten Stunde: Wasser abfüllen, solange es läuft. Wie du später Wasser sicher trinkbar machst, erklärt Wasser aufbereiten.
Ein Anruf genügt: Wird dein Ort aus einem Hochbehälter versorgt oder über Pumpen? Hat das Wasserwerk Notstrom? Gibt es im Haus eine Druckerhöhungsanlage? Mit diesen drei Antworten weißt du, ob du im Ernstfall Stunden Zeit hast – oder Minuten.
Heizung
Gas-, Öl-, Pellet- und Fernwärmeheizungen brauchen Strom für Zündung, Gebläse, Regelung und Umwälzpumpe. Wärmepumpen sowieso. Im Winter kühlt eine Wohnung je nach Dämmung über Stunden bis Tage aus. Das eigentliche Risiko entsteht dann durch improvisierte Heizquellen – mehr dazu in Heizen ohne Strom.
Tankstellen und Treibstoff
Deutschland hält über den Erdölbevorratungsverband gesetzlich Vorräte für 90 Tage der Nettoimporte. Das Problem im Blackout ist nicht die Menge, sondern die Verteilung: Pumpen in Tanklagern und Zapfsäulen brauchen Strom, Tankwagen müssen koordiniert werden. Jedes Notstromaggregat an Krankenhaus, Wasserwerk oder Funkmast läuft nur, solange Diesel nachkommt. Für dich heißt das: Tank im Alltag nie unter halb voll.
Geldautomaten und Kartenzahlung
In Spanien und Portugal war es 2025 eine der sichtbarsten Folgen: Wer nur digital bezahlte, konnte nichts kaufen. Kartenterminals und Geldautomaten fallen mit dem Strom aus, Bankfilialen bleiben geschlossen. Läden, die öffnen, nehmen nur Bargeld, und kleine Scheine werden knapp. Wie groß eine sinnvolle Reserve ist, rechnet der Ratgeber Wie viel Bargeld zu Hause? durch.
Krankenhäuser, Praxen und Pflege
Krankenhäuser müssen eine Sicherheitsstromversorgung mit eigenem Brennstoffvorrat haben, der typischerweise für mindestens einen Tag ausgelegt ist. Planbare Eingriffe werden verschoben, die Kliniken arbeiten im Notbetrieb. Kritischer ist es außerhalb: Arztpraxen und Apotheken schließen, Pflegedienste sind kaum erreichbar, und Menschen mit Heimbeatmung oder Sauerstoffkonzentrator hängen an Akkus. Laut TAB wäre die medizinische Versorgung nach einigen Tagen zunehmend nicht mehr aufrechtzuerhalten.
Menschen, die zu Hause von Strom abhängig sind – Heimbeatmung, Sauerstoffkonzentrator, Ernährungspumpe, Heimdialyse –, sind in jedem Stromausfall die verwundbarste Gruppe, und kein Krisenstab kennt alle Betroffenen. Kläre vorab mit Arzt, Pflegedienst und Hilfsmittelversorger, wie lange die Akkus halten und wohin im Notfall verlegt wird. Mehr dazu: Notfallvorsorge für Senioren & Pflegebedürftige.
In Stromausfällen sterben Menschen typischerweise nicht an der Dunkelheit, sondern an improvisierten Lösungen: Kohlenmonoxid aus Grills, Heizstrahlern oder Stromaggregaten in Innenräumen, Brände durch Kerzen, Stürze im Dunkeln, ausgefallene Medizingeräte. Nichts, was verbrennt, gehört in einen geschlossenen Raum – es sei denn, es ist genau dafür gebaut und zugelassen.
Tiefer einsteigen? Kapitel 2 „Blackout“, Kapitel 4 „Die ersten 72 Stunden“ und Kapitel 7 „Energie, Licht & Kommunikation“ im Krisenvorsorge-System zeigt dir den kompletten Plan.
Leseprobe ansehen →Blackout-Simulator: Erlebe den Ausfall Stunde für Stunde
Lies nicht nur, was ausfällt – spiel es durch. Der Simulator zeigt dir Stunde für Stunde, welche Systeme noch laufen und welche nicht, und was du in diesem Moment tun solltest.
Warum der Neustart Stunden bis Tage dauert
Ein schwarzes Netz lässt sich nicht einfach wieder einschalten. Es wird Stück für Stück neu aufgebaut, nach Konzepten, die Netzbetreiber regelmäßig üben:
- Lage erfassenLeitwarten laufen mit Notstrom weiter und klären: Welche Netzteile sind spannungslos, welche Anlagen beschädigt, welche Kraftwerke verfügbar?
- SchwarzstartSpezielle schwarzstartfähige Kraftwerke – vor allem Wasser- und Pumpspeicherkraftwerke sowie bestimmte Gasturbinen – fahren ohne Strom von außen hoch. Große Kohle- oder Gaskraftwerke brauchen dagegen selbst Strom zum Anfahren.
- Inselnetze bilden und verbindenVon dort aus werden Leitungen und weitere Kraftwerke zugeschaltet. Die entstehenden Netzinseln werden nur verbunden, wenn Frequenz, Spannung und Phasenlage exakt passen.
- Last stufenweise zuschaltenVerbraucher kommen blockweise zurück. Nach langen Ausfällen starten Kühlgeräte, Pumpen und Wärmepumpen gleichzeitig und ziehen deutlich mehr Leistung als normal – die sogenannte Kaltlast.
- ReparierenSind Masten, Kabel oder Transformatoren zerstört, entscheidet die Reparatur über die Dauer. Spätestens hier wird aus Stunden schnell eine Frage von Tagen.
In Kapitel 2 des Krisenvorsorge-Systems nehmen wir den Blackout auseinander wie ein Unfallgutachter: Verbundnetz, n-1-Prinzip, die fünf Ursachen-Familien, die Fallstudien Spanien 2025 und Berlin 2025/26 und was Behörden im Ernstfall tun. Den passenden Handlungsplan für dich liefert Kapitel 4. Einen Auszug gibt es in der Leseprobe.
Was der Ablauf für deine Vorsorge bedeutet
Aus der Zeitleiste ergibt sich eine einfache Logik: Was zuerst ausfällt, sicherst du zuerst – und was du in der ersten Stunde versäumst, holst du später nicht mehr nach.
- Wasser abfüllen, solange Druck auf der Leitung ist
- Bargeld in kleinen Scheinen vorab im Haus
- Tank im Alltag nie unter halb voll
- UKW-Radio mit Batterie, Sender notiert
- Wärmeinsel-Raum für den Winter festlegen
- Kühlschrank zuerst aufessen, Truhe geschlossen halten
- Medizingeräte: Akkulaufzeit und Notfallplan klären
- Nächste Notfall-Anlaufstelle der Gemeinde kennen
Was du in jeder Phase konkret tust, steht in Stromausfall – was tun?. Den Überblick über alle Vorsorge-Bausteine findest du unter Blackout vorbereiten.
Häufige Fragen
Was passiert als Erstes bei einem Blackout?
In den ersten Sekunden gehen Licht, Ampeln, elektrische Bahnen, Aufzüge, Router und Festnetz aus. Kartenterminals, Geldautomaten und Zapfsäulen funktionieren nicht mehr, und fast alle Zentralheizungen stoppen – auch Gas- und Ölheizungen, weil Zündung, Steuerung und Pumpe Strom brauchen.
Wie lange funktioniert das Handynetz bei Stromausfall?
Das hängt vom Standort ab: Viele Mobilfunkstandorte sind nur für eine begrenzte Zeit über Akkus gepuffert, einzelne haben Notstrom. Typischerweise wird das Netz in den ersten Stunden schwächer und überlastet und fällt bei einem großflächigen Ausfall dann weitgehend aus.
Wie lange gibt es bei Stromausfall noch Wasser?
Das ist regional sehr unterschiedlich. Wird deine Gemeinde aus einem Hochbehälter versorgt und hat das Wasserwerk Notstrom, kann Wasser lange fließen. In Hochhäusern mit Druckerhöhungspumpen sind obere Etagen oft sofort trocken, in Gebieten mit Pumpbetrieb kann der Druck binnen Stunden sinken.
Wie lange halten Krankenhäuser bei Stromausfall durch?
Krankenhäuser müssen eine Sicherheitsstromversorgung mit eigenem Brennstoffvorrat haben, der typischerweise für mindestens einen Tag ausgelegt ist. Danach hängt alles am Nachschub von Diesel. Der TAB-Bericht warnt, dass die Versorgung bei einem langen Blackout nach einigen Tagen zunehmend nicht mehr aufrechtzuerhalten wäre.
Kann man bei einem Blackout tanken?
Meist nicht: Zapfsäulen brauchen Strom. Nur wenige Tankstellen sind notstromfähig, dort bilden sich lange Schlangen, oft geht nur Barzahlung, und Treibstoff wird für Einsatzkräfte und Notstromaggregate priorisiert. Fahr deshalb im Alltag nie mit fast leerem Tank.
Was ist der TAB-Bericht Nr. 141?
Der Arbeitsbericht Nr. 141 des Büros für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag untersucht Sektor für Sektor die Folgen eines großräumigen, lang andauernden Stromausfalls in Deutschland. Kernbefund: Schon nach wenigen Tagen wäre die flächendeckende Versorgung mit lebensnotwendigen Gütern kaum noch sicherzustellen.