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Familie & Notfallplan

Familien-Notfallplan: So schützt du deine Familie in jeder Krise

Aktualisiert: Lesezeit: 11 Min.Von der Verheimlicht-Redaktion
Kurz beantwortet

Ein Familien-Notfallplan ist eine Handvoll fester Absprachen, die jedes Familienmitglied auswendig kennt – damit ihr euch auch ohne Handynetz wiederfindet. Das Minimum ist die 4-Punkte-Regel: Treffpunkt nah, Treffpunkt fern, eine Kontaktperson außerhalb der Region und ein Codewort, das nie aufgeschrieben wird. Der Plan entsteht an einem Nachmittag und wird zweimal im Jahr geübt.

Dienstag, 10:30 Uhr, der Strom fällt großflächig aus. Ein Kind ist in der Schule, eines in der Kita, du sitzt 40 Kilometer entfernt im Büro – und nach kurzer Zeit kommt kein Anruf mehr durch. Ob deine Familie an so einem Tag Stunden mit Suchen verliert oder ruhig zusammenfindet, entscheidet nicht das Handynetz, sondern ein Plan, den ihr heute macht.

Dieser Ratgeber zeigt dir, wie ein Familien-Notfallplan aufgebaut ist, welche vier Absprachen jede Familie braucht und wie du ihn so übst, dass deine Kinder Sicherheit gewinnen statt Angst. Du brauchst dafür kein Geld, sondern einen Nachmittag.

Was ist ein Familien-Notfallplan?

Ein Familien-Notfallplan ist eine kleine Sammlung fester Absprachen, die regelt, wer im Ernstfall was tut, wo ihr euch trefft und wie ihr euch ohne Handy wiederfindet. Er ist kein dicker Ordner, sondern Wissen im Kopf – auch im Kopf deines Achtjährigen. Je einfacher er ist, desto besser funktioniert er unter Stress.

Warum das wichtig ist: Die wahrscheinlichste Krise trifft deine Familie nicht gemütlich am Küchentisch, sondern verteilt auf Schule, Arbeit, Sportverein und Stau. Bei einem großflächigen Stromausfall sind Mobilfunknetze oft schnell überlastet oder fallen aus, sobald die Notstromversorgung der Sendemasten erschöpft ist. Wer dann erst überlegt, wer wen abholt, verliert die wertvollste Zeit.

Auch die EU-Kommission rät in ihrer Preparedness-Strategie von 2025, dass sich Bürger mindestens 72 Stunden selbst versorgen können. Das BBK empfiehlt Vorräte für 10 Tage. Ein Vorrat nützt aber wenig, wenn die Familie nicht zusammenfindet. Der Notfallplan ist deshalb das Fundament, auf dem alles andere aufbaut.

4 PunkteTreffpunkt nah · Treffpunkt fern · Kontakt außerhalb · Codewort
1 Nachmittagreicht für die Grundversion des Plans
2× im Jahrüben – sonst ist der Plan im Ernstfall vergessen
0 €kostet der wichtigste Teil der Familienvorsorge

Die 4-Punkte-Regel: das Minimum für jede Familie

Die 4-Punkte-Regel ist der Kern jedes Familien-Notfallplans. Sie funktioniert bei Blackout, Brand, Unwetter und Evakuierung gleichermaßen – und sie funktioniert auch dann, wenn niemand niemanden erreicht. Jedes Familienmitglied muss alle vier Punkte auswendig kennen.

Die 4-Punkte-Regel: Wenn ihr getrennt seid und niemand erreichbar ist
1 · TREFFPUNKT NAH In Sichtweite des Hauses Für Brand, Gasgeruch, Räumung 2 · TREFFPUNKT FERN Zu Fuß erreichbar, feste Uhrzeit Wenn das Viertel unsicher ist 3 · KONTAKT AUSSERHALB Person in anderer Region Alle melden sich dort 4 · CODEWORT Nur im Kopf, nie notiert Schützt Kinder vor Fremden FAMILIE GETRENNT
Vereinfachte Darstellung. Die Treffpunkte gelten auch ganz ohne Kommunikation – das ist ihr eigentlicher Wert.

1. Treffpunkt nah

Der nahe Treffpunkt ist für Ereignisse direkt am Haus: Brand, Gasgeruch, Räumung der Straße. Er liegt in Sichtweite oder wenige Gehminuten entfernt, ist eindeutig benennbar und auch im Dunkeln erkennbar. „Das Tor vom Spielplatz an der Lindenstraße“ ist gut, „am Park“ ist zu ungenau. Ungeeignet sind Parkplätze, auf denen bei einer Räumung Chaos herrscht, und Gebäude, die abgeschlossen sein könnten.

2. Treffpunkt fern

Der ferne Treffpunkt gilt, wenn ihr nicht nach Hause könnt oder das ganze Viertel betroffen ist. Ideal ist die Wohnung von Großeltern oder Freunden in einem anderen Stadtteil, ein Gemeindezentrum oder ein kommunaler Notfall-Infopunkt. Wichtig ist eine Uhrzeit-Regel: „Wir warten dort zu jeder vollen Stunde.“ So läuft niemand stundenlang im Kreis.

3. Kontaktperson außerhalb der Region

Bei einem regionalen Ereignis sind alle in deiner Stadt selbst betroffen. Eine Tante 300 Kilometer entfernt hat dagegen Strom, Netz und Ruhe. Sie wird eure Nachrichtenzentrale: Wer kurz Netz hat, schickt ihr eine SMS mit Ort, Zustand und Ziel – sie gibt die Lage an alle weiter. Die Person muss wissen, dass sie diese Rolle hat, und alle Treffpunkte kennen. Wie Kommunikation ganz ohne Handynetz funktioniert, liest du im Ratgeber Kommunikation ohne Handynetz.

4. Das Familien-Codewort

Das Codewort schützt Kinder davor, mit einer fremden Person mitzugehen, die eine Notlage ausnutzt („Deine Mama schickt mich“). Wer ein Kind abholt, das ihn nicht gut kennt, muss das Wort nennen. Es wird nie aufgeschrieben – nicht auf die Notfallkarte, nicht in den Familienchat, nicht an den Kühlschrank.

Achtung

Das Codewort ergänzt die Abholregeln von Schule und Kita, es ersetzt sie nicht. Einrichtungen geben Kinder in der Regel nur an Sorgeberechtigte oder schriftlich bevollmächtigte Personen heraus. Das Codewort ist die zweite Sicherung – vor allem auf dem Schulweg, beim Sport oder überall dort, wo keine Aufsicht ist.

Notfallplan erstellen: in 6 Schritten zum fertigen Plan

Plane einen ruhigen Nachmittag ein, am besten am Wochenende. Der Ton ist entscheidend: praktisch und gelassen wie bei der Urlaubsplanung, nicht dramatisch. So gehst du vor:

  1. Familienkonferenz einberufenAlle an einen Tisch – Kinder ab etwa sechs Jahren, Partner, gern auch Großeltern. Leitfrage: „Wo ist wer unter der Woche – und was machen wir, wenn Strom, Handy und Bus ausfallen?“
  2. Treffpunkte festlegenEinen nahen und einen fernen Treffpunkt auswählen, gemeinsam ablaufen und mit den Gastgebern des fernen Treffpunkts absprechen.
  3. Kontaktperson gewinnenEine Person außerhalb der Region fragen, einweihen und eine Standard-SMS vereinbaren: „Bin [Ort]. Geht mir gut / brauche Hilfe. Gehe zu Treffpunkt [1/2].“
  4. Codewort wählenEin Wort, das sich Kinder merken können, das aber niemand errät – kein Haustiername, kein Wohnort. Fantasiewörter funktionieren gut.
  5. Rollen verteilenWer holt welches Kind? Wer kümmert sich um Oma? Wer nimmt den Hund? Jede Rolle bekommt eine Vertretung.
  6. Aufschreiben – bis auf das CodewortTreffpunkte, Nummern, Rollen und den Ort von Notgepäck und Dokumentenmappe auf eine Seite schreiben. Diese Seite hängt innen an einer Schranktür, eine Kopie liegt im Notgepäck.
Profi-Tipp

Für jedes Kind gehört eine Notfallkarte in den Ranzen – mit Elternnummern, Kontaktperson, Treffpunkten und Allergien, aber ohne Codewort. Was genau draufgehört und was auf keinen Fall, erklärt der Ratgeber Notfallkarte für Kinder – inklusive Generator zum Ausdrucken.

Tiefer einsteigen? Kapitel 8 „Familie & Kinder“, Bonus 2 und Bonus 3 im Krisenvorsorge-System zeigt dir den kompletten Plan.

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Wer macht was? Rollen für jedes Familienmitglied

Menschen mit einer Aufgabe geraten seltener in Panik – das gilt für Erwachsene und Kinder gleichermaßen. Wer eine feste Rolle hat, fühlt sich nicht ausgeliefert, sondern beteiligt. Die folgende Tabelle zeigt, welche Rollen sich je nach Alter bewährt haben.

WerRolleTypische Aufgaben
3–6 JahreKuscheltier-HüterEigenen kleinen Rucksack tragen, eigene Taschenlampe, Treffpunkt nah kennen
7–9 JahreTaschenlampen-ChefLampen monatlich testen, leere Batterien melden
10–12 JahreWasser-WächterKanister und Flaschen kontrollieren, Haltbarkeitsdaten abhaken
13–18 JahreKommunikations-Chef / Co-PlanerRadio und Funkgeräte testen, Kontaktliste aktuell halten, Routen mitplanen
Elternteil AKoordinationLage einschätzen, entscheiden, Kontakt zur Nachrichtenzentrale
Elternteil BVersorgungWasser, Essen, Wärme, Medikamente
Großeltern / NachbarnAnlaufstelleTreffpunkt fern oder Abholperson; kennen Plan und Codewort

Alleinerziehende sollten mindestens eine erwachsene Vertrauensperson fest einplanen, die die zweite Rolle übernimmt – und die im Idealfall auch schriftliche Vollmachten hat. Genauso wichtig: Was passiert, wenn das koordinierende Elternteil gerade auf Dienstreise ist? Jede Rolle braucht einen Plan B.

Schule, Kita und Arbeit: die größte Lücke im Plan

Die meisten Eltern wissen nicht, was ihre Schule bei einem längeren Stromausfall tut. Schicken sie die Kinder nach Hause oder betreuen sie sie, bis jemand kommt? Das unterscheidet sich von Bundesland zu Bundesland, von Träger zu Träger – und die Antwort brauchst du vorher, am besten schriftlich.

  • Frag nach dem Notfallablauf: Was passiert mit meinem Kind, wenn Strom und Telefon ausfallen?
  • Kläre schriftlich, ob dein Kind allein nach Hause gehen darf oder warten soll.
  • Hinterlege eine Abholvollmacht für zwei bis drei Personen, die zu Fuß in der Nähe sind.
  • Trage auch die Festnetznummer deiner Arbeitsstelle (Zentrale) als Notfallkontakt ein.
  • Frag nach dem Sammelpunkt bei einer Räumung des Gebäudes.

Die Eltern-Kette: Wer zuerst da ist, nimmt alle mit

Eines der wirksamsten und am wenigsten genutzten Werkzeuge ist die Eltern-Kette. Drei bis fünf Familien aus derselben Klasse, Kita-Gruppe oder Nachbarschaft vereinbaren, sich im Ernstfall gegenseitig zu helfen. Wer zuerst an der Einrichtung ist, nimmt die Kinder der anderen mit – zu einem vorher vereinbarten Sammelpunkt. Das klappt am besten, wenn die Familien unterschiedliche Arbeitswege und Arbeitszeiten haben: Homeoffice, Schichtdienst, Großeltern in der Nähe.

Damit es rechtlich funktioniert, unterschreiben alle Familien gegenseitige Abholberechtigungen und geben sie in der Einrichtung ab. Jede Familie hat eine ausgedruckte Liste mit allen Nummern und den wichtigsten Gesundheitsinfos der Kinder – vor allem Allergien. Und einmal im Jahr holt testweise eine Familie alle Kinder ab. Für Kinder ist das ein Fest, für Eltern ein ehrlicher Test.

Und du selbst? Der Weg von der Arbeit

Überlege auch, wie du ohne Bahn und mit leerem Handy von der Arbeit nach Hause kommst. 40 Kilometer sind zu Fuß ein Tagesmarsch. Bequeme Schuhe, eine Powerbank, etwas Bargeld und eine Wasserflasche am Arbeitsplatz kosten fast nichts – und entscheiden, ob du am Abend am Treffpunkt stehst oder irgendwo festsitzt.

Mythos„Im Ernstfall fahren wir einfach alle sofort zur Schule.“
FaktWenn alle Eltern gleichzeitig losfahren und die Ampeln ausgefallen sind, entstehen Staus, die auch Rettungswege blockieren. Eine abgestimmte „Eltern-Kette“ mit Nachbarn oder befreundeten Familien, die zu Fuß in der Nähe sind, ist schneller und sicherer.

Die Bausteine eines vollständigen Familien-Notfallplans

Die 4-Punkte-Regel ist das Minimum. Ein belastbarer Plan besteht aus mehreren Bausteinen, die du nach und nach ergänzt. Die Tabelle zeigt, was wozu dient und wie viel Aufwand es ungefähr macht.

BausteinWozuAufwand (ca.)Priorität
4-Punkte-RegelWiederfinden ohne Netz1 Nachmittagsofort
Kinder-NotfallkarteOrientierung für Kind und Helfer30 Min.sofort
AbholvollmachtenAndere dürfen dein Kind abholen30 Min.diese Woche
Notgepäck pro PersonSchnell das Haus verlassen können2–3 Std.diesen Monat
DokumentenmappeNach Brand oder Hochwasser handlungsfähig bleiben1 Abenddiesen Monat
Notvorrat für 10 TageZuhause versorgt bleiben1–2 Einkäufediesen Monat
Vorsorgevollmacht & VormundbenennungRechtlich vertreten werden, Kinder versorgt wissen1–2 Terminedieses Quartal
Evakuierungsplan mit Route A/BGeordnet gehen, wenn es nötig ist1 Abenddieses Quartal

Für das schnelle Verlassen der Wohnung braucht jedes Familienmitglied einen eigenen Rucksack – die Packliste findest du unter Notgepäck & Fluchtrucksack. Welche Papiere ins Original, als Kopie oder digital gehören, zeigt der Ratgeber Dokumentenmappe für den Notfall. Und für das Bleiben zu Hause gilt die BBK-Empfehlung für zehn Tage – Mengen pro Person stehen in der Notvorrat-Liste nach BBK.

Wann gehen, wann bleiben?

Bei einem Stromausfall ist die eigene Wohnung meist der beste Ort: Dort sind deine Vorräte, deine Wärme, deine Nachbarn. Anders bei Brand, Gasgeruch, steigendem Hochwasser oder einer behördlichen Evakuierungsanordnung – dann zählt jede Minute. Bei einer Warnung vor Gefahrstoffen oder Rauch gilt dagegen das Gegenteil: drinnen bleiben, Fenster schließen, Lüftung aus, Radio an.

Zwei Gewohnheiten sparen im Ernstfall Stunden: Der Autotank fällt nie unter die Hälfte, und zwei Routen zum Ausweichziel sind auf einer Papierkarte markiert. Den kompletten Entscheidungsbaum und die Checkliste für das Verlassen des Hauses findest du im Ratgeber Evakuierung: Wann gehen, wann bleiben.

§ Rechtslage

Wer kümmert sich um deine Kinder, wenn dir etwas zustößt? Stirbt bei gemeinsamem Sorgerecht ein Elternteil, übernimmt in der Regel der andere. Fallen beide aus – oder bist du alleinsorgeberechtigt –, bestellt das Familiengericht einen Vormund. Mit einer Vormundbenennung nach § 1782 BGB (oft „Sorgerechtsverfügung“ genannt) bestimmst du selbst, wer das sein soll. Weil sie eine letztwillige Verfügung ist, gelten die Formvorschriften für Testamente. Allgemeine Information, keine Rechtsberatung.

Sonderfälle: Babys, Pflegebedürftige und Haustiere

Familienpläne scheitern selten an den gesunden Erwachsenen. Sie scheitern an denen, die nicht selbst können: dem Säugling, der regelmäßig Milch braucht, dem Vater mit Sauerstoffgerät, dem Hund, der nicht in jede Notunterkunft darf. Für sie braucht der Plan eigene Zeilen.

Babys & Kleinkinder

Trinkfertige Säuglingsmilch statt Pulver, Windeln für 10 Tage plus nächste Größe, Babytrage statt Kinderwagen. Wärme kommt über Körperkontakt und Kleidungsschichten – nicht über Wärmflaschen im Babybett.

Haustiere

Futter und zusätzliches Wasser für 10 Tage, Transportbox, Impfnachweis, Foto. Und eine vorher geklärte Unterkunft, denn nicht jede Notunterkunft nimmt Tiere auf.

Mit Kindern üben – ohne ihnen Angst zu machen

Kinder lernen durch Wiederholung, nicht durch Vorträge. Ein Plan, den du einmal erklärst, ist nach drei Wochen vergessen. Ein Plan, den ihr spielerisch übt, sitzt. Entscheidend ist der Ton: Abenteuer statt Katastrophe, Lob statt Prüfung. Wie du mit Kindern altersgerecht über Krisen sprichst, ohne sie zu belasten, liest du im Ratgeber Mit Kindern über Krieg und Krisen sprechen.

MONATLICH

Licht-aus-Abend

Licht aus, Stirnlampen an, Abendessen ohne Herd, Geschichten im Dunkeln. Am Ende sagt jeder, was ihm gefehlt hat – daraus entsteht die nächste Ergänzung für den Vorrat.

FRÜHJAHR

Übungstag zur Zeitumstellung

Weg zu Treffpunkt 2 zu Fuß gehen, Kontaktperson testen, Notfallkarten und Kinderkleidung im Notgepäck an die neue Größe anpassen.

SEPTEMBER

Bundesweiter Warntag

Am zweiten Donnerstag im September heulen Sirenen und Cell Broadcast wird getestet – der perfekte Anlass, Codewort und Nummern abzufragen und die Dokumentenmappe zu prüfen.

ZUM SCHULJAHR

Einrichtungen aktualisieren

Abholvollmachten und Notfallkontakte in Schule, Kita und Verein erneuern. Neue Lehrkräfte, neue Nummern, neue Abholpersonen.

Fakt

Kinder orientieren sich an deiner Reaktion. Kleine Kinder lesen Gefahr vor allem an Gesicht und Stimme ihrer Bezugspersonen ab. Du musst nicht perfekt ruhig sein, aber erkennbar handlungsfähig. Deshalb ist deine eigene Vorbereitung der wirksamste Kinderschutz: Wer weiß, was zu tun ist, strahlt das aus.

Check: Wie krisenfest ist deine Familie?

Bevor du mit dem Plan beginnst, lohnt sich eine ehrliche Bestandsaufnahme. Der Krisen-Check stellt dir zehn kurze Fragen und zeigt, wo deine Familie schon gut aufgestellt ist und wo die größten Lücken liegen.

Die 7 häufigsten Fehler beim Familien-Notfallplan

  1. Nur die Eltern kennen den PlanIm Ernstfall sind die Kinder oft allein. Sie müssen Treffpunkte, eine Nummer und das Codewort selbst wissen.
  2. Die Kontaktperson wohnt um die EckeDann ist sie selbst betroffen. Sie muss in einer anderen Region leben.
  3. Das Codewort steht auf der NotfallkarteDamit ist es wertlos. Es lebt nur im Kopf.
  4. Alles hängt am SmartphoneNummern, Karten, Dokumente nur digital – ohne Akku ist der Plan weg. Das Wichtigste gehört auf Papier.
  5. Niemand hat AbholvollmachtenDie Nachbarin ist zwei Minuten entfernt, darf das Kind aber nicht mitnehmen.
  6. Sonderfälle vergessenBaby, Oma mit Pflegebedarf, Hund – genau hier scheitern Pläne zuerst.
  7. Einmal gemacht, nie geübtTelefonnummern ändern sich, Kinder wachsen, Kontaktpersonen ziehen um. Ein Plan ohne Übung veraltet in zwei Jahren.
Aus dem Handbuch

Im Krisenvorsorge-System von Verheimlicht widmet sich Kapitel 8 „Familie & Kinder“ genau diesem Plan – mit Kommunikationsbaum, Fragen an Schule und Kita und den Sonderfällen Baby, Pflege und Haustier. Das Bonus-Spezial für Eltern geht noch tiefer: Kriterien für Treffpunkte, ein 30-Tage-Familienplan mit einer Aufgabe pro Tag und rechtliche Vorsorge für Kinder. Die passenden Druckvorlagen – vom „Plan auf einer Seite“ bis zur Kinder-Notfallkarte – stecken in Bonus 3. Einen ersten Eindruck gibt die kostenlose Leseprobe.

Dein Start: die ersten 5 Aufgaben für diese Woche

  • Familienkonferenz für das Wochenende ansetzen und die 4-Punkte-Regel festlegen
  • Kontaktperson außerhalb der Region anrufen, fragen und einweihen
  • Für jedes Kind eine Notfallkarte ausfüllen und in Ranzen und Jacke stecken
  • In Schule und Kita nach dem Notfallablauf fragen und Abholvollmachten abgeben
  • Die nächsten zwei Übungstermine in den Familienkalender eintragen

Mehr braucht es für den Anfang nicht. Ein einfacher Plan, den alle kennen, ist im Ernstfall mehr wert als ein perfekter, den niemand gelesen hat. Und vorbereitete Eltern sind nicht ängstlicher, sondern ruhiger – das Beste, was einem Kind in einer Krise passieren kann.

Alle Ratgeber zum Thema Familie

Häufige Fragen

Was gehört in einen Familien-Notfallplan?

Mindestens zwei Treffpunkte (nah und fern), eine Kontaktperson außerhalb der Region, ein Familien-Codewort, klare Rollen (wer holt wen ab) und die wichtigsten Telefonnummern auf Papier. Dazu kommen Notgepäck, Dokumentenmappe und Absprachen mit Schule, Kita und Pflegedienst.

Wie oft sollte man den Familien-Notfallplan üben?

Mindestens zweimal im Jahr. Gut merken lassen sich feste Termine wie der bundesweite Warntag am zweiten Donnerstag im September und die Zeitumstellung im Frühjahr. Kinder-Notfallkarten und Notgepäck prüft ihr bei derselben Gelegenheit.

Was ist ein Familien-Codewort?

Ein Wort, das nur die Familie und die abholberechtigten Vertrauenspersonen kennen. Wer ein Kind im Notfall abholt, muss es nennen – sonst geht das Kind nicht mit. Das Codewort wird nie aufgeschrieben und nach jedem Einsatz gewechselt.

Ab welchem Alter sollten Kinder beim Notfallplan mitmachen?

Schon Kindergartenkinder können einen nahen Treffpunkt und ein Codewort lernen – spielerisch und ohne Drama. Ab etwa sechs Jahren sitzen Kinder bei der Familienkonferenz mit am Tisch, Teenager planen aktiv mit.

Was tun, wenn die Familie getrennt ist und das Handynetz ausfällt?

Dann greifen die vorher vereinbarten Treffpunkte – ohne jede Kommunikation. Wer kurz Netz hat, schickt eine kurze SMS an die Kontaktperson außerhalb der Region, weil Textnachrichten bei überlasteten Netzen oft noch durchkommen, wenn Anrufe scheitern.

Muss ich mein Kind bei einem Stromausfall sofort aus der Schule holen?

Nicht unbedingt. Viele Einrichtungen beaufsichtigen Kinder, bis sie abgeholt werden. Kläre das vorher mit Schule und Kita und hinterlege eine schriftliche Abholvollmacht für zwei bis drei Vertrauenspersonen, die näher dran sind als du.

Quellen & weiterführendBBK – Ratgeber für Notfallvorsorge und richtiges Handeln in Notsituationen · BBK – Informationen zum bundesweiten Warntag, NINA und Cell Broadcast · EU-Kommission – Preparedness Union Strategy (2025) · Bürgerliches Gesetzbuch, § 1782 (Benennung des Vormunds) · Nummer gegen Kummer e. V.

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