Haustiere im Notfall: Vorrat, Evakuierung & Notunterkunft
Haustiere brauchen denselben Vorrat wie die Familie: Futter und zusätzliches Trinkwasser für mindestens 10 Tage, dazu Medikamente, Katzenstreu oder Kotbeutel. Fürs Notgepäck gehören Transportbox oder Leine mit Geschirr, Napf, Futter für zwei bis drei Tage, Impfnachweis und ein aktuelles Foto dazu. Wichtig: Nicht jede Notunterkunft nimmt Tiere auf – kläre vorher, wo dein Tier unterkommen kann.
Viele Menschen weigern sich, ohne ihr Tier die Wohnung zu verlassen – selbst wenn die Feuerwehr vor der Tür steht. Das zeigt, wie wichtig Haustiere sind. Und es zeigt, warum sie in jeden Notfallplan gehören: Wer vorher weiß, wohin mit Hund und Katze, geht im Ernstfall schneller und sicherer.
Dieser Ratgeber zeigt dir, wie viel Futter und Wasser du für dein Tier einplanen solltest, was ins Tier-Notgepäck gehört, wie eine Evakuierung mit Tier gelingt und was du vorher mit Verwandten, Freunden oder einer Tierpension klären musst.
Warum Haustiere in den Notfallplan gehören
Tiere können nicht selbst vorsorgen. Sie sind bei Stromausfall, Hochwasser oder Evakuierung vollständig auf dich angewiesen. Gleichzeitig sind sie im Ernstfall ein häufiger Grund für gefährliches Verhalten: Menschen bleiben zu lange in gefährdeten Wohnungen oder kehren vorzeitig zurück, um ihr Tier zu holen.
Deshalb gilt: Dein Tier bekommt im Familien-Notfallplan eine eigene Zeile – mit Vorrat, Notgepäck, einer verantwortlichen Person und einem Plan, wo es unterkommt. Kinder ab etwa sieben Jahren übernehmen gern die Rolle der Haustier-Verantwortlichen.
Futter- und Wasservorrat für 10 Tage
Das BBK empfiehlt für Haushalte einen Vorrat für zehn Tage. Für dein Tier gilt dasselbe – plus etwas Reserve, weil Tierfutter in einer Krise nicht überall zu bekommen ist und viele Tiere auf einen Futterwechsel empfindlich reagieren. Kaufe deshalb das Futter, das dein Tier kennt.
| Tier | Futter | Wasser | Nicht vergessen |
|---|---|---|---|
| Hund | Gewohntes Futter für 10+ Tage; Trockenfutter ist leichter, Nassfutter enthält Wasser | Zusätzlich zum Familienvorrat – Menge je nach Größe, Futter und Temperatur | Kotbeutel, Leine, Leuchthalsband, Medikamente |
| Katze | Gewohntes Futter für 10+ Tage | Frisches Wasser täglich, Nassfutter deckt einen Teil des Bedarfs | Katzenstreu für 10 Tage, Transportbox |
| Kaninchen, Meerschweinchen | Heu in großer Menge, Trockenfutter; Frischfutter wird knapp | Täglich frisch, Trinkflasche oder Napf | Einstreu, Transportbox mit Belüftung |
| Vögel | Körnerfutter für 10+ Tage | Täglich frisch | Abdecktuch für Ruhe, kleiner Transportkäfig |
| Fische, Reptilien | Futter für 10+ Tage (kühl, trocken) | Aquarienwasser – Sauerstoff ist das Problem | Batterie-Luftpumpe bzw. Wärmequelle für das Terrarium |
Wie viel Wasser braucht dein Tier?
Das lässt sich nicht pauschal sagen: Ein großer Hund an einem heißen Tag mit Trockenfutter trinkt ein Vielfaches einer Katze, die Nassfutter bekommt. Am zuverlässigsten ist dein eigener Wert. Fülle eine Woche lang morgens eine abgemessene Menge in den Napf und miss abends nach. Den Tagesverbrauch nimmst du mal zehn und legst eine Reserve obendrauf. Frag zusätzlich deinen Tierarzt nach einem Richtwert, vor allem für ältere oder kranke Tiere. Wie du Wasser für die ganze Familie richtig lagerst, steht im Ratgeber Wasservorrat anlegen.
Rotiere den Tiervorrat wie deinen eigenen: Immer die älteste Packung zuerst verfüttern, neue hinten einsortieren. So läuft nichts ab, und du merkst sofort, wenn der Vorrat schrumpft. Wie das Rotationsprinzip für den gesamten Haushalt funktioniert, zeigt die Notvorrat-Liste nach BBK.
Rechner: Wasser für Familie und Haustiere
Der Wasservorrat-Rechner berücksichtigt Trinken, Kochen und Hygiene für deinen Haushalt – inklusive Kindern und Haustieren. So siehst du in einer Zahl, wie viele Kanister oder Flaschen du wirklich brauchst.
Tiefer einsteigen? Kapitel 8 „Familie & Kinder“, Bonus 2 und Bonus 3 im Krisenvorsorge-System zeigt dir den kompletten Plan.
Leseprobe ansehen →Das Notgepäck für dein Tier
Muss die Familie die Wohnung schnell verlassen, braucht auch dein Tier ein eigenes kleines Notgepäck. Am besten packst du es in einen separaten, beschrifteten Beutel, der direkt neben dem Familien-Notgepäck steht. Was die Menschen brauchen, steht in der Packliste Notgepäck & Fluchtrucksack.
- Transportbox bzw. Leine mit gut sitzendem Geschirr
- Faltbarer Napf für Futter und Wasser
- Futter für 2–3 Tage, eine Flasche Wasser
- Medikamente und Dosierplan
- EU-Heimtierausweis bzw. Impfnachweis (Kopie)
- Aktuelles Foto des Tieres, auch zusammen mit dir
- Kotbeutel bzw. kleine Menge Katzenstreu und Schale
- Decke oder Lieblingsspielzeug – vertrauter Geruch beruhigt
- Maulkorb, falls in Unterkünften oder Verkehrsmitteln nötig
- Zettel mit Tierarzt, Futtergewohnheiten, Besonderheiten
Das Foto mit dir zusammen hat einen praktischen Grund: Geht dein Tier verloren und taucht in einem Tierheim oder einer Sammelstelle auf, kannst du schnell belegen, dass es zu dir gehört. Eine Kopie des Impfnachweises gehört außerdem in die Dokumentenmappe.
Evakuierung mit Haustier: so klappt es
Die Reihenfolge ist klar: erst Menschen, dann Tiere, dann Gepäck. Wer aber vorbereitet ist, verliert für das Tier kaum Zeit. Entscheidend ist, dass dein Tier im Ernstfall schnell gesichert werden kann.
- Transportbox gewöhnenStell die Box dauerhaft offen in die Wohnung, mit Decke und gelegentlich einem Leckerli darin. Eine Katze, die die Box nur vom Tierarzt kennt, verschwindet im Ernstfall unter dem Bett.
- Bei Vorwarnung früh sichernKommt eine Warnung, hältst du Tiere in der Wohnung und schließt Katzen frühzeitig in einen Raum mit der Box. Gestresste Tiere verstecken sich.
- Verantwortung festlegenWer im Haushalt nimmt das Tier? Diese Person kümmert sich nur darum – nicht zusätzlich um Kinder oder Dokumente.
- Nachbarn einweihenWenn du nicht zu Hause bist: Wer hat einen Schlüssel und weiß, wo Box und Leine stehen?
- Unterwegs sichernIm Auto gehört das Tier gesichert in die Box oder an einen geeigneten Gurt, in Menschenmengen an die kurze Leine.
Den gesamten Ablauf einer Evakuierung – von der Vorwarnung bis zur Checkliste für Gas, Wasser und Strom – findest du im Ratgeber Evakuierung: Wann gehen, wann bleiben.
Notunterkunft: nicht jede nimmt Tiere
Bei größeren Evakuierungen richten Kommunen Notunterkünfte ein, etwa in Turnhallen oder Schulen. Viele Menschen auf engem Raum, Allergiker, Kinder, Lärm: Tiere sind dort nicht überall erlaubt, manchmal gibt es getrennte Bereiche, manchmal gar keine Lösung. Verlass dich nicht darauf, dass dein Tier mit hineindarf.
Kläre jetzt, wo dein Tier im Ernstfall unterkommen kann: bei Verwandten, Freunden, einer Tierpension oder einer Hundetagesstätte außerhalb deines Wohngebiets. Wenn du mit Verwandten ein gegenseitiges Ausweichquartier vereinbarst, sprich das Tier ausdrücklich an – nicht jeder Gastgeber ist begeistert von einem Schäferhund für drei Wochen, und Allergien im Haushalt sind ein echtes Hindernis.
Chip, Registrierung, Impfpass: damit dein Tier zurückfindet
Tiere, die bei Lärm, Feuer oder Wasser in Panik geraten, laufen weg. Ob du dein Tier danach wiederfindest, hängt vor allem von zwei Dingen ab: einem Mikrochip und einer Registrierung, über die der Chip zu dir führt.
- Mikrochip: Der Tierarzt setzt ihn mit einer Spritze unter die Haut. In einigen Bundesländern ist er für Hunde Pflicht, für Reisen in andere EU-Staaten für Hunde, Katzen und Frettchen ohnehin.
- Registrierung: Der Chip allein nützt wenig. Registriere die Nummer in einem Haustierregister – kostenlose Register betreiben etwa TASSO oder der Deutsche Tierschutzbund mit FINDEFIX. Nach Umzug oder neuer Telefonnummer aktualisieren.
- EU-Heimtierausweis: Darin stehen Chipnummer und Impfungen. Für einen möglichen Grenzübertritt braucht dein Tier eine gültige Tollwutimpfung – nach der Erstimpfung gilt eine Wartefrist, bevor es einreisen darf.
- Halsband mit Telefonnummer: Ergänzt den Chip, weil jeder Finder die Nummer sofort lesen kann.
Blackout zu Hause mit Tier
In den meisten Lagen bleibst du zu Hause – dann geht es um Alltag ohne Strom. Hunde müssen auch im Dunkeln Gassi gehen: Ein Leuchthalsband und eine Stirnlampe machen euch für Radfahrer und Autos sichtbar, deren Fahrer sich ohne Ampeln und Straßenlaternen schwerer orientieren. Katzenstreu wird bei längerem Ausfall der Müllabfuhr zum Hygieneproblem – verschließbare Müllbeutel und ein kühler Lagerort draußen helfen.
Aquarien und Terrarien sind der heikelste Punkt: Ohne Strom laufen Filter, Luftpumpe und Heizung nicht. Eine batteriebetriebene Luftpumpe kostet wenig und überbrückt für Fische die gefährlichste Phase. Was in den ersten Stunden eines Stromausfalls für den ganzen Haushalt wichtig ist, liest du im Ratgeber Stromausfall – was tun?.
Und wenn dir selbst etwas passiert?
Ein oft übersehener Fall: Du hast einen Unfall oder musst ins Krankenhaus, und zu Hause wartet ein Tier, von dem niemand weiß. Eine kleine Karte im Portemonnaie – „Zu Hause wartet mein Hund/meine Katze, bitte informieren Sie …“ mit Namen und Nummer einer Vertrauensperson – stellt sicher, dass sich jemand kümmert. Diese Person braucht einen Ersatzschlüssel und sollte Futter, Medikamente und Tierarzt kennen.
Im Krisenvorsorge-System gehören Haustiere in Kapitel 8 zu den Sonderfällen, an denen Familienpläne am häufigsten scheitern – zusammen mit Babys und Pflegebedürftigen. Die Geheimakte „Plan B“ zeigt, wie ein Ausweichquartier mit Vorrats-Depot aussieht, in dem auch Futter, Napf und Transportbox für dein Tier bereitliegen. Reinschauen: kostenlose Leseprobe.
Häufige Fragen
Darf ich mein Haustier in eine Notunterkunft mitnehmen?
Das hängt von der Kommune und der jeweiligen Unterkunft ab – viele Notunterkünfte in Turnhallen oder Schulen nehmen keine Tiere auf, manche richten getrennte Bereiche ein. Verlass dich nicht darauf. Kläre vorher eine Unterkunft bei Verwandten, Freunden oder in einer Tierpension, die auch dein Tier aufnimmt.
Was mache ich, wenn ich bei einer Evakuierung nicht zu Hause bin?
Vereinbare mit einer Nachbarin oder einem Nachbarn, dass sie dein Tier im Ernstfall mitnehmen – mit Ersatzschlüssel und dem Wissen, wo Transportbox, Leine und Notgepäck stehen. Ein Hinweis innen an der Wohnungstür, welche Tiere im Haushalt leben, hilft Einsatzkräften.
Ist ein Mikrochip für Hunde Pflicht?
In einigen Bundesländern ja, in anderen nicht. Für Reisen in andere EU-Staaten brauchen Hunde, Katzen und Frettchen in jedem Fall einen Mikrochip, einen EU-Heimtierausweis und eine gültige Tollwutimpfung. Unabhängig von der Pflicht hilft der Chip mit Registrierung, ein entlaufenes Tier wiederzufinden.
Wie lange hält Tierfutter im Vorrat?
Ungeöffnetes Trocken- und Nassfutter ist meist viele Monate haltbar – maßgeblich ist das Mindesthaltbarkeitsdatum auf der Packung. Geöffnetes Trockenfutter luftdicht und trocken lagern. Am einfachsten rotierst du den Vorrat: immer die älteste Packung zuerst verfüttern und hinten nachkaufen.
Was brauchen Aquarium und Terrarium bei Stromausfall?
Fische brauchen vor allem Sauerstoff: Eine batteriebetriebene Luftpumpe überbrückt einen Ausfall. Bei Reptilien ist Wärme das Problem – Decken um das Terrarium und Wärmepacks können helfen. Frag deinen Tierarzt oder Fachhandel, wie lange deine Tiere ohne Heizung und Filter auskommen.