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Krisenvorsorge Grundlagen

Warn-App NINA, Cell Broadcast & Sirenen erklärt

Aktualisiert: Lesezeit: 6 Min.Von der Verheimlicht-Redaktion
Kurz beantwortet

In Deutschland wirst du über einen Warnmittel-Mix gewarnt: die App NINA des BBK, Cell Broadcast (Warn-SMS an alle Handys einer Funkzelle, seit 2023, ohne App), Sirenen, Radio und Fernsehen. Sirenen-Warnung ist 1 Minute auf- und abschwellender Heulton, Entwarnung 1 Minute Dauerton. Bei einem Stromausfall ist das UKW-Radio mit Batterie das zuverlässigste Warnmittel. Getestet wird alles am bundesweiten Warntag, dem zweiten Donnerstag im September.

Am 10. September 2020 sollte der erste bundesweite Warntag zeigen, wie gut Deutschland warnen kann. Stattdessen kamen die Push-Meldungen der Warn-Apps bei vielen Menschen erst mit rund einer halben Stunde Verspätung an, vielerorts blieben die Sirenen stumm. Seitdem wurde viel nachgebessert – und mit Cell Broadcast kam ein neuer Kanal dazu. Hier erfährst du, wie die Warnung heute zu dir kommt und welcher Kanal im Ernstfall noch funktioniert.

Wie wird man in Deutschland gewarnt?

Bund und Länder setzen auf einen Warnmittel-Mix: Keine einzelne Technik erreicht alle Menschen in jeder Lage, aber zusammen decken sie fast alle Situationen ab. Zentrale Schaltstelle ist das Modulare Warnsystem (MoWaS) des Bundes. Eine Warnung wird dort einmal eingegeben – von einer Leitstelle, einem Lagezentrum oder dem BBK – und gleichzeitig an alle angeschlossenen Kanäle verteilt.

Der Warnmittel-Mix: ein Eingang, viele Wege
Leitstelle / Lagezentrum MoWaS Warnsystem des Bundes Warn-Apps (NINA, KATWARN …)✕ Cell Broadcast aufs Handy◐ Radio (UKW, DAB+) & TV✓ Sirenen (wo vorhanden)◐ Internet, Anzeigetafeln✕
Vereinfachte Darstellung. Symbole rechts: Verfügbarkeit bei einem großflächigen Stromausfall (✓ robust mit Batterieradio, ◐ eingeschränkt, ✕ nach kurzer Zeit kaum nutzbar).

Für dich heißt das: Verlass dich nie auf einen einzigen Kanal. Im Alltag weckt dich die Handywarnung, im Blackout informiert dich das Radio. Wer beides vorbereitet hat, verpasst keine Warnung.

Die Warn-App NINA: einrichten und richtig nutzen

NINA ist die kostenlose Notfall-Informations- und Nachrichten-App des Bundes, betrieben vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK). Sie zeigt Warnungen von Bund, Ländern und Kommunen, Unwetterwarnungen des Deutschen Wetterdienstes und Hochwasserinformationen – mit Handlungsempfehlungen, was du konkret tun sollst. Andere Warn-Apps wie KATWARN oder BIWAPP sind ebenfalls an MoWaS angebunden; welche du nutzt, ist zweitrangig.

  1. Orte hinterlegenTrage nicht nur deinen Wohnort ein, sondern auch Arbeitsort, Schule oder Kita der Kinder und den Wohnort älterer Angehöriger.
  2. Standortwarnung aktivierenSo bekommst du auch unterwegs Warnungen für den Ort, an dem du gerade bist.
  3. Benachrichtigungen erlaubenPrüfe in den Handy-Einstellungen, dass NINA Mitteilungen anzeigen und Töne abspielen darf – auch im Energiesparmodus.
  4. Notfalltipps vorab lesenNINA enthält Verhaltenstipps für verschiedene Gefahren. Lies sie in Ruhe, nicht erst im Ernstfall.
Profi-Tipp

Richte NINA auch auf den Handys deiner Eltern oder Großeltern ein – gemeinsam an einem ruhigen Nachmittag. Ältere Menschen sind in vielen Krisen am stärksten gefährdet und bekommen Warnungen oft als Letzte mit. Trage dort zusätzlich deinen eigenen Wohnort ein, damit ihr gegenseitig Bescheid wisst.

Cell Broadcast: die Warnung ohne App

Cell Broadcast ist ein Mobilfunkdienst, der eine Warnnachricht gleichzeitig an alle eingeschalteten Handys in einer Funkzelle schickt – ohne App, ohne Anmeldung und ohne dass jemand deine Nummer kennt. In Deutschland ist das System seit 2023 in Betrieb. Die Nachricht erscheint als Vollbild-Meldung mit auffälligem Warnton, bei den höheren Warnstufen auf den meisten Geräten auch dann, wenn das Handy stumm geschaltet ist.

Der große Vorteil: Cell Broadcast erreicht auch Menschen, die keine Warn-App installiert haben – Touristen, Kinder mit einfachem Handy, ältere Menschen. Es funktioniert auch dann, wenn das Mobilfunknetz durch viele Anrufe überlastet ist, weil die Nachricht nicht einzeln an jedes Gerät geschickt wird. Die Grenze: Die Funkzelle selbst muss Strom haben.

Achtung: Einstellungen prüfen

Cell Broadcast kennt mehrere Warnstufen. Die höchste lässt sich nicht abschalten, niedrigere Stufen kannst du in den Einstellungen deaktivieren – tu das nicht. Suche auf deinem Handy nach „Notfallwarnungen“ oder „Drahtlose Notfallwarnungen“ und lass alle Warnstufen eingeschaltet. Ältere Geräte ohne aktuelle Updates empfangen Cell Broadcast unter Umständen gar nicht.

NINA oder Cell Broadcast – brauche ich beides?

Ja, denn die beiden Kanäle ergänzen sich. Cell Broadcast ist der Weckruf: kurz, laut, an alle in der betroffenen Funkzelle. NINA liefert die Details – wo genau die Gefahr besteht, was du tun sollst, wann es Entwarnung gibt – und warnt dich auch für Orte, an denen du gerade nicht bist, etwa die Schule deiner Kinder. Eine Warnung per Cell Broadcast enthält dagegen nur wenige Zeilen Text. Wer beides nutzt, bekommt die Warnung schnell und versteht, was zu tun ist.

Tiefer einsteigen? Teil I – Bedrohungen verstehen (Kapitel 1–3) im Krisenvorsorge-System zeigt dir den kompletten Plan.

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Sirenensignale: Was sie bedeuten und was du tust

Sirenen haben einen unschlagbaren Vorteil: den Weckeffekt. Sie erreichen dich nachts, ohne Handy und ohne Radio. Detailinformationen liefern sie aber nicht – sie sind das Signal, dich zu informieren. Nach dem Kalten Krieg wurden viele Sirenen abgebaut; Bund und Länder fördern seit einigen Jahren den Wiederaufbau. Ob es bei dir eine Sirene gibt, weißt du spätestens nach dem nächsten Warntag.

SignalKlangBedeutungWas du tust
Warnung1 Minute auf- und abschwellender HeultonGefahr für die BevölkerungGebäude aufsuchen, Radio einschalten, Warn-App prüfen, Durchsagen befolgen, Nachbarn informieren
Entwarnung1 Minute DauertonDie Gefahr ist vorbeiWeitere Hinweise der Behörden beachten
Feuerwehr-Alarm (regional)Dauerton, zweimal unterbrochenAlarmierung der FeuerwehrKeine Handlung nötig, Einsatzwege frei halten

Ob und wie Feuerwehr-Alarme über Sirenen laufen, unterscheidet sich je nach Bundesland und Gemeinde. Für dich als Bürger zählt vor allem ein Signal: der auf- und abschwellende Heulton. Wenn du ihn hörst, informierst du dich sofort.

UKW-Radio: das robusteste Warnmittel im Stromausfall

Wenn Strom und Handynetz großflächig ausfallen, sind Warn-Apps nach kurzer Zeit nutzlos, und auch Cell Broadcast braucht funktionierende Funkzellen. Dann ist das Radio die wichtigste Verbindung zur Außenwelt. Behörden geben ihre Warnungen und Hinweise über den Rundfunk heraus, große Sender verfügen über Notstrom. Empfangen kannst du sie mit einem Batterie- oder Kurbelradio oder dem Autoradio.

Das brauchst du

Ein UKW-Radio mit Batterie- oder Kurbelbetrieb, Ersatzbatterien und die notierte Frequenz deines regionalen Senders und des Landesrundfunks – direkt aufs Gerät geklebt. DAB+ ist eine gute Ergänzung, solange der Sender läuft.

Wenn auch das Radio keine Hilfe mehr bringt, bleiben Lautsprecherdurchsagen, Aushänge und Notfall-Anlaufstellen. Wie du ohne Handynetz mit Familie und Nachbarn in Kontakt bleibst, erklärt der Ratgeber Kommunikation ohne Handynetz.

Der bundesweite Warntag: dein jährlicher Test

Der bundesweite Warntag ist ein gemeinsamer Probealarm von Bund, Ländern und Kommunen, der jedes Jahr am zweiten Donnerstag im September stattfindet. Gegen 11 Uhr wird über alle angeschlossenen Warnmittel eine Probewarnung ausgelöst, später folgt die Entwarnung. Nach dem holprigen Start 2020 wurde der Warntag 2022 auf Dezember verlegt – dabei kam Cell Broadcast erstmals bundesweit zum Einsatz. Seitdem findet er wieder im September statt.

2. Do.im September: fester Termin des bundesweiten Warntags
11 Uhrungefähre Uhrzeit der Probewarnung
9.9.2027nächster bundesweiter Warntag
Fakt

Der Warntag ist der beste kostenlose Test für deine persönliche Warnkette. Notiere dir an diesem Tag: Hat dein Handy die Cell-Broadcast-Nachricht empfangen? Hat NINA ausgelöst? Hast du eine Sirene gehört – oder gibt es bei dir gar keine? Was nicht funktioniert hat, kannst du jetzt noch ändern. Zusätzlich führen manche Länder eigene Probealarme durch.

Was tun, wenn die Warnung kommt?

Eine Warnung ist keine Panik-Aufforderung, sondern ein Signal zum Informieren. Die Reihenfolge ist fast immer dieselbe:

  1. Ruhe bewahren und Meldung lesenWas ist passiert, wo, und welche Handlungsempfehlung gibt die Behörde?
  2. Informationen aus zweiter QuelleRadio einschalten oder die Website der Behörde aufrufen. Gerüchte in Messengern nicht ungeprüft weiterleiten.
  3. Hinweise befolgenBei Gefahrstoffen etwa Fenster und Türen schließen, Lüftung ausschalten, im Haus bleiben. Bei einer Evakuierung das Notgepäck nehmen und den angegebenen Weg nutzen – mehr im Ratgeber Evakuierung.
  4. Andere informierenNachbarn, besonders ältere Menschen ohne Smartphone, auf die Warnung hinweisen.
  5. Notruf nur im NotfallDie 112 ist für akute Notfälle da, nicht für Auskünfte. Überlastete Leitungen gefährden Menschenleben.

Checkliste: deine persönliche Warnkette

  • NINA installiert, alle wichtigen Orte hinterlegt
  • Cell-Broadcast-Warnungen in den Einstellungen aktiv
  • Betriebssystem des Handys aktuell
  • Batterie- oder Kurbelradio mit Ersatzbatterien
  • Frequenz des Regionalsenders aufs Radio geklebt
  • Warntag im Kalender eingetragen
  • NINA auch bei Eltern und Großeltern eingerichtet
  • Nächste Notfall-Anlaufstelle der Gemeinde bekannt

Die Warnkette ist ein Baustein deiner Vorsorge – aber nur einer. Wo du insgesamt stehst, zeigt der Krisen-Check, und was du nach einer Blackout-Warnung in den ersten Stunden tust, steht im Plan Stromausfall – was tun?. Alle weiteren Bereiche findest du in der Krisenvorsorge-Checkliste 2026 und auf der Übersicht Krisenvorsorge Grundlagen.

Aus dem Handbuch

In Kapitel 2 des Krisenvorsorge-Systems zeigen wir, welches Warnmittel in welcher Phase eines Blackouts noch funktioniert, und in Kapitel 7, wie du einen Familien-Funkplan aufstellst, wenn auch das Handynetz weg ist. Einen Einblick gibt die kostenlose Leseprobe.

Häufige Fragen

Wann ist der nächste bundesweite Warntag?

Der bundesweite Warntag findet jedes Jahr am zweiten Donnerstag im September statt. Der nächste ist am 9. September 2027. Gegen 11 Uhr wird über alle angeschlossenen Warnmittel eine Probewarnung ausgelöst, später folgt die Entwarnung.

Brauche ich für Cell Broadcast eine App?

Nein. Cell Broadcast schickt Warnungen direkt an alle eingeschalteten Handys in einer Funkzelle – ohne App, ohne Anmeldung und ohne dass deine Telefonnummer bekannt sein muss. Voraussetzung ist ein Handy mit aktuellem Betriebssystem und eingeschalteten Notfallwarnungen in den Einstellungen.

Was bedeuten die Sirenensignale?

Warnung: ein auf- und abschwellender Heulton von einer Minute – dann Radio einschalten, Warn-App prüfen und Durchsagen beachten. Entwarnung: ein einminütiger Dauerton. In vielen Gemeinden gibt es zusätzlich ein Signal zur Alarmierung der Feuerwehr, das für die Bevölkerung keine Handlungsaufforderung bedeutet.

Funktioniert NINA bei einem Stromausfall?

Nur eingeschränkt. NINA braucht eine Datenverbindung, und bei einem großflächigen Stromausfall fallen Mobilfunkstandorte nach kurzer Zeit aus, wenn ihre Batterien leer sind. Dann ist ein UKW-Radio mit Batterie oder Kurbel die zuverlässigste Informationsquelle, weil große Sender mit Notstrom weiterarbeiten.

Warum habe ich keine Cell-Broadcast-Warnung bekommen?

Häufige Gründe sind ein veraltetes Betriebssystem, deaktivierte Notfallwarnungen in den Einstellungen, ein ausgeschaltetes Handy, aktivierter Flugmodus oder fehlender Netzempfang. Manche ältere Geräte unterstützen Cell Broadcast gar nicht. Prüfe die Einstellungen unter „Notfallwarnungen“ oder „Drahtlose Notfallwarnungen“.

Quellen & weiterführendBBK – Informationen zum Modularen Warnsystem (MoWaS), zur Warn-App NINA, zu Cell Broadcast und zum bundesweiten Warntag · BBK – Ratgeber für Notfallvorsorge und richtiges Handeln in Notsituationen · Innenministerkonferenz – Beschluss zum bundesweiten Warntag · TAB-Arbeitsbericht Nr. 141

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