Krisenvorsorge für Anfänger: die ersten 7 Schritte
Als Anfänger startest du mit 7 Schritten: Bestandsaufnahme, Trinkwasser (2 Liter pro Person und Tag), Licht und Radio ohne Strom, Lebensmittel erst für 3, dann für 10 Tage, Medikamente und Hygiene, Familienplan mit Dokumenten und zum Schluss Bargeld plus zweite Bank. Mit rund 100 € deckst du die ersten 72 Stunden ab; in vier bis sechs Wochen erreichst du nebenbei die BBK-Empfehlung von 10 Tagen.
Du musst kein Prepper werden, um vorbereitet zu sein. Du brauchst keinen Bunker, keine Tarnhose und keine 50-Liter-Fässer mit Weizen. Was du brauchst, sind sieben Schritte in der richtigen Reihenfolge – und ein Wochenende, um mit dem ersten anzufangen.
Krisenvorsorge anfangen: Warum der Einstieg so leicht ist
Krisenvorsorge für Anfänger bedeutet, den eigenen Haushalt Schritt für Schritt so auszustatten, dass er einige Tage ohne Strom, Einkauf und fremde Hilfe auskommt. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) empfiehlt dafür einen Vorrat für 10 Tage. Die EU-Kommission nennt seit März 2025 ein Minimum von 72 Stunden.
Der Grund, warum viele trotzdem nie anfangen, ist selten das Geld. Es ist das Gefühl, vor einem riesigen Berg zu stehen: Wasser, Essen, Strom, Geld, Familie, Rechte – wo soll man da beginnen? Die Antwort: bei dem, was in den ersten Stunden zählt. Alles Weitere baut darauf auf.
Die 7 Schritte im Überblick
Die Reihenfolge ist kein Zufall. Sie folgt der Frage: Was brauchst du zuerst, wenn morgen früh der Strom ausfällt? Jeder Schritt ist für sich abgeschlossen – du kannst nach jedem eine Pause machen und hast trotzdem etwas erreicht.
- BestandsaufnahmeWas hast du schon – und was hängt bei dir am Strom?
- TrinkwasserErst für 3 Tage, dann für 10 Tage.
- Licht & RadioLampe pro Person, Radio mit Batterie oder Kurbel.
- LebensmittelErst 3 Tage ohne Kochen, dann 10 Tage mit sicherem Kocher.
- Medikamente & HygieneDauermedikation, Hausapotheke, Toilette ohne Spülung.
- Familienplan & DokumenteTreffpunkte, Kontaktperson, Notfallkarte, Mappe.
- Bargeld & zweite BankZahlungsfähig bleiben, wenn Karte und Konto streiken.
Wo stehst du? Der Krisen-Check für Einsteiger
Schritt 1 ist eine ehrliche Bestandsaufnahme. Viele Anfänger sind überrascht, wie viel sie schon haben – und wie groß die Lücke an einer anderen Stelle ist. Der Krisen-Check zeigt dir in wenigen Fragen, welcher Bereich bei dir zuerst dran ist.
Nimm ein Blatt Papier, schreib „Strom weg“ in die Mitte und notiere drumherum alles, was bei dir daran hängt: Heizungspumpe, Router, Garagentor, elektrische Rollläden, Kühlschrank mit Insulin, Babyphone, Wasserpumpe im Hochhaus, E-Auto. Nach zehn Minuten hast du deine persönliche Schwachstellenliste – und weißt genau, wofür du eine Alternative brauchst.
Tiefer einsteigen? Teil I – Bedrohungen verstehen (Kapitel 1–3) im Krisenvorsorge-System zeigt dir den kompletten Plan.
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Schritt 2: Trinkwasser sichern
Wasser ist der wichtigste Posten, weil du ohne es nur wenige Tage durchhältst. Das BBK rechnet mit 2 Litern pro Person und Tag für Trinken und Kochen. Fang mit drei Tagen an – für zwei Personen also 12 Liter – und stocke dann auf 20 Liter pro Person auf. Am einfachsten sind Mineralwasser-Sixpacks, die du im Alltag mit verbrauchst und nachkaufst. Wie du größere Mengen lagerst und wie lange Leitungswasser in Kanistern hält, erklärt der Ratgeber Wasservorrat anlegen.
Schritt 3: Licht und Radio
Ein Stromausfall im Winter beginnt oft am späten Nachmittag – und dann ist es in der Wohnung stockdunkel. Jede Person braucht eine eigene Lichtquelle, am besten eine Stirnlampe, weil du die Hände frei hast. Dazu eine LED-Laterne für den gemeinsamen Raum. Kerzen sind keine gute Hauptlichtquelle: Sie verursachen in Stromausfällen regelmäßig Wohnungsbrände. Mehr dazu im Ratgeber Licht ohne Strom.
Genauso wichtig ist das Radio. Wenn Handynetz und Internet ausfallen, informieren Behörden über UKW. Ein Radio mit Batterie- oder Kurbelbetrieb ist im Blackout dein Draht zur Außenwelt. Schreib dir die Frequenz deines Regionalsenders auf und klebe sie aufs Gerät.
Schritt 4: Lebensmittel – erst 3, dann 10 Tage
Für den Anfang reichen Lebensmittel für drei Tage, die du ohne Kochen essen kannst: Knäckebrot, Zwieback, Nüsse, Trockenobst, Konserven mit fertigen Gerichten, Erdnussbutter, Müsliriegel. Danach erweiterst du auf 10 Tage – dann brauchst du auch einen sicheren Kocher. Die wichtigste Regel für Anfänger: Kauf nur, was ihr auch sonst esst. Ein Vorrat, den niemand mag, wird nie rotiert und verdirbt.
Profis lagern nichts „für den Ernstfall“ weg, sondern führen einen lebendigen Vorrat: Neues kommt nach hinten, Älteres wird zuerst verbraucht. So läuft nie etwas ab, und du merkst kaum, dass du einen Vorrat hast. Im Handbuch zeigen wir in Kapitel 6 die drei Budget-Stufen und welche Lebensmittel praktisch unbegrenzt halten – einen Auszug liest du in der kostenlosen Leseprobe.
Schritt 5: Medikamente und Hygiene
Lebensmittel lassen sich improvisieren, Dauermedikamente nicht. Sprich mit deinem Arzt darüber, wie du eine kleine Reserve aufbauen kannst, und schreib deinen Medikationsplan auf Papier. Ergänze die Hausapotheke um Verbandsmaterial, Schmerz- und Fiebermittel und ein Fieberthermometer. Und denk an die Toilette: Fällt die Wasserversorgung aus, spülst du mit einem Eimer Wasser. Müllbeutel, Feuchttücher und Desinfektionsmittel machen den Rest erträglich.
Schritt 6: Familienplan und Dokumente
Was tun, wenn die Kinder in der Schule sind, der Partner im Büro und kein Telefon funktioniert? Die Antwort steht in einem Familienplan, den ihr in einer halben Stunde erstellt: Treffpunkt in der Nähe, Treffpunkt weiter weg, eine Kontaktperson außerhalb der Region und ein Codewort, das nie aufgeschrieben wird. Kinder bekommen eine Notfallkarte in den Ranzen – was draufgehört, steht im Ratgeber Notfallkarte für Kinder. Dazu legst du eine Mappe mit Kopien von Ausweisen, Geburtsurkunden, Versicherungen und Kontodaten an.
Schritt 7: Bargeld und eine zweite Bank
Ohne Strom funktionieren weder Kartenterminal noch Geldautomat. Eine bewährte Faustregel ist Bargeld für ein bis zwei Wochen Haushaltsausgaben, in kleinen Scheinen. Fang klein an und lege jeden Monat etwas dazu. Mittelfristig lohnt sich ein zweites Girokonto bei einer Bank aus einer anderen Bankengruppe – dann bleibst du zahlungsfähig, wenn bei deiner Hauptbank die Technik streikt oder das Konto gesperrt wird. Wie viel Bargeld sinnvoll ist, klärt der Ratgeber Wie viel Bargeld zu Hause?.
Krisenvorsorge mit kleinem Budget: Start ab 100 €
Für die ersten 72 Stunden eines Zwei-Personen-Haushalts reichen rund 100 €. Die folgende Aufteilung ist ein grober Richtwert mit Discounter-Preisen (Stand 2026, Preise schwanken je nach Markt und Saison).
| Posten | Inhalt | Richtwert |
|---|---|---|
| Wasser | 12 Liter in Flaschen für 2 Personen × 3 Tage | ca. 5 € |
| Lebensmittel | Essen für 3 Tage, ohne Kochen essbar | ca. 30–35 € |
| Licht | 2 Stirnlampen oder Taschenlampen | ca. 15–20 € |
| Radio | UKW-Radio mit Batterie oder Kurbel | ca. 20–30 € |
| Batterien | Ersatz für Lampen und Radio | ca. 8–10 € |
| Hygiene & Apotheke | Müllbeutel, Feuchttücher, Pflaster, Schmerzmittel | ca. 10 € |
| Summe | 72-Stunden-Basis für 2 Personen | ca. 90–110 € |
Wie du mit wenig Geld bis zum vollständigen 10-Tage-Vorrat kommst, zeigt die Einkaufsliste ab 100 €. Eine Gesamtübersicht aller Bereiche liefert die Krisenvorsorge-Checkliste 2026.
Die 5 typischen Anfängerfehler
Alles auf einmal kaufen
Wer an einem Tag 400 € im Supermarkt lässt, kauft meist das Falsche – und verliert danach die Lust. Besser: wenige Artikel pro Einkauf, dafür regelmäßig.
Technik vor Basis
Die Powerstation für 800 € steht im Flur, aber es gibt keine 20 Liter Wasser im Haus. Technik kommt erst, wenn die Grundversorgung steht.
Nur Fertiggerichte in Dosen
Schwer, teuer, eintönig – und ohne Kocher und Wasser oft kaum genießbar. Ein gemischter Vorrat ist günstiger und gesünder.
Vorrat verstecken und vergessen
Ein Vorrat, der fünf Jahre im Keller steht, ist irgendwann Müll. Plane zwei feste Prüftermine im Jahr ein, etwa bei der Zeitumstellung.
Die Familie nicht einbinden
Wenn nur eine Person weiß, wo die Lampen liegen, ist der Plan wertlos. Zeig allen, wo alles ist – Kinder lieben Aufgaben wie „Taschenlampen-Chef“.
Verzichte auf Panikkäufe, wenn Krisennachrichten die Runde machen. Hamsterkäufe treiben Preise, leeren Regale für andere und führen fast immer zu falschen Vorräten. Der beste Zeitpunkt für Vorsorge ist ein ganz normaler Dienstag ohne besondere Nachrichtenlage.
Wie geht es nach den 7 Schritten weiter?
Nach den sieben Schritten hast du eine solide Grundvorsorge, die die meisten Haushalte in Deutschland nicht haben. Ab hier kannst du gezielt vertiefen – je nachdem, welches Szenario dich am stärksten treffen würde: Wärme und Strom im Blackout, Vermögensschutz, Rechte im Spannungsfall oder digitale Sicherheit. Einen Überblick über alle Bereiche gibt die Seite Krisenvorsorge Grundlagen.
Wenn du lieber einem fertigen Plan folgst, statt dir alles zusammenzusuchen: Das Krisenvorsorge-System von Verheimlicht führt dich in 14 Kapiteln von den ersten 72 Stunden bis zum Vermögensschutz – mit Checklisten und Vorlagen zum Ausdrucken.
Häufige Fragen
Wie fange ich mit Krisenvorsorge an?
Fang mit einer Bestandsaufnahme an: Was hast du schon an Wasser, Lebensmitteln, Lampen und Batterien im Haus? Danach kaufst du zuerst Trinkwasser für drei Tage, eine Lampe pro Person und ein Batterieradio. Erst dann baust du den Lebensmittelvorrat schrittweise auf 10 Tage aus.
Bin ich ein Prepper, wenn ich Vorräte anlege?
Nein. Vorräte für 10 Tage empfiehlt das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) jedem Haushalt. Das ist Notfallvorsorge wie ein Feuerlöscher oder eine Hausratversicherung – mit Bunkern oder Weltuntergang hat das nichts zu tun.
Wie viel Geld brauche ich für den Einstieg in die Krisenvorsorge?
Für die ersten 72 Stunden reichen rund 100 € für einen Zwei-Personen-Haushalt. Den vollständigen 10-Tage-Vorrat erreichst du mit etwa 300 bis 500 €, verteilt auf mehrere Wocheneinkäufe. Viel von dem Geld ist nicht weg, weil du die Lebensmittel im Alltag aufbrauchst und ersetzt.
Wie lange dauert es, einen Notvorrat aufzubauen?
Die 72-Stunden-Basis schaffst du an einem Wochenende. Den 10-Tage-Vorrat nach BBK baust du am besten über vier bis sechs Wochen auf, indem du bei jedem Einkauf ein paar haltbare Artikel extra mitnimmst. So fällt es finanziell kaum auf.
Wo lagere ich einen Notvorrat in einer kleinen Wohnung?
Unter dem Bett, oben im Kleiderschrank, hinter Büchern im Regal oder in flachen Kisten unter dem Sofa. Wasser lässt sich gut in Sixpacks stapeln. Wichtig ist ein kühler, trockener, dunkler Platz – und dass der Vorrat nicht in der Ecke verschwindet, sondern regelmäßig rotiert.