Bankenkrise – was tun? Der Notfallplan für Sparer
In einer Bankenkrise gilt: Ruhe bewahren, Überblick verschaffen, Zahlungsfähigkeit sichern. Guthaben bis 100.000 € pro Person und Bank sind gesetzlich gesichert und werden im Pleitefall binnen 7 Arbeitstagen erstattet. Entscheidend ist, diese Zeit zu überbrücken – mit einem Konto bei einer zweiten, unabhängigen Bank und Bargeld für ein bis zwei Wochen. Alles abheben ist dagegen keine gute Idee.
Am 5. Oktober 2008, mitten in der Finanzkrise, traten Bundeskanzlerin und Finanzminister vor die Kameras und erklärten: Die Spareinlagen der Deutschen sind sicher. Dass so ein Satz überhaupt nötig war, zeigt, wie dünn das Vertrauen an diesem Wochenende war. Und es zeigt: In einer Bankenkrise ist nicht Geld knapp, sondern Ruhe.
Dieser Notfallplan sortiert, was in einer Bankenkrise wirklich passiert, woran du sie früh erkennst und was du in welcher Reihenfolge tust. Er ist bewusst unaufgeregt. Denn die teuersten Fehler in Bankenkrisen passieren nicht durch die Krise selbst, sondern durch Panik.
Bankenkrise: Was passiert mit meinem Geld?
„Bankenkrise“ ist ein Sammelbegriff. Für dein Geld macht es einen großen Unterschied, welches von drei Szenarien eintritt:
| Szenario | Was passiert | Dein Guthaben | Was dir hilft |
|---|---|---|---|
| Schieflage einer Bank | Übernahme, Abwicklung oder Bail-in; der Betrieb läuft oft weiter | bis 100.000 € ausgenommen | Guthaben pro Bank unter 100.000 € |
| Pleite einer Bank | Zahlungsverbot, Schließung, Entschädigungsfall | Erstattung bis 100.000 € binnen 7 Arbeitstagen | Zweitkonto bei anderer Bankengruppe |
| Systemkrise | Bankfeiertag, Abhebelimits, Kapitalverkehrskontrollen | bleibt erhalten, ist aber nur eingeschränkt verfügbar | Bargeld, Konto in einem anderen Land |
In Deutschland ist das erste Szenario das häufigste: Kleinere Institute geraten in Schieflage und werden übernommen oder abgewickelt, meist ohne dass Sparer Geld verlieren. Das zweite kommt gelegentlich vor. Das dritte hat es in der Eurozone bisher zweimal gegeben – in Zypern 2013 und Griechenland 2015.
Ein Fall aus Deutschland: Greensill 2021
Wie eine Bankpleite hierzulande abläuft, zeigte im März 2021 die Greensill Bank in Bremen. Die BaFin verhängte zunächst ein Moratorium: Die Bank durfte keine Zahlungen mehr leisten, Kunden kamen nicht an ihr Geld. Kurz darauf wurde der Entschädigungsfall festgestellt. Private Sparer wurden über die Einlagensicherung entschädigt. Leer gingen dagegen vor allem Kommunen aus, die dort Geld angelegt hatten – Einlagen staatlicher Stellen sind von der gesetzlichen Einlagensicherung ausgenommen.
Und was ist mit Krediten, Lastschriften und Daueraufträgen?
Ein Kredit verschwindet nicht, nur weil die Bank pleitegeht: Die Forderung gehört dann zur Insolvenzmasse oder wird auf ein anderes Institut übertragen, und du zahlst weiter – an die Stelle, die dir genannt wird. Lastschriften und Daueraufträge von einem geschlossenen Konto laufen dagegen ins Leere. Miete, Strom und Versicherung werden dann nicht bezahlt, obwohl Geld auf dem Konto liegt. Genau deshalb ist ein zweites, aktives Konto so wichtig: Es ist der Ort, von dem aus du die wichtigsten Zahlungen sofort neu aufsetzen kannst.
Frühwarnzeichen: Woran du eine Bankenkrise erkennst
Bankenkrisen kommen selten aus heiterem Himmel. Es gibt Signale auf zwei Ebenen: bei deiner einzelnen Bank und im System insgesamt. Kein einzelnes Signal ist ein Alarm. Wenn sich aber mehrere häufen, ist es Zeit, die eigene Aufstellung zu prüfen – nicht, panisch zu handeln.
Bei deiner Bank
- Herabstufungen durch Ratingagenturen
- starker, anhaltender Kursverfall der Bankaktie
- Zinsangebote deutlich über dem Marktniveau
- Berichte über Sonderprüfungen oder Maßnahmen der BaFin
- plötzliche Änderungen bei Limits, Gebühren oder Kündigungen
Im Finanzsystem
- öffentliche Rettungsdebatten über mehrere Banken
- Diskussionen über Änderungen an der Einlagensicherung
- Abwicklungen auch kleinerer Institute
- Begrenzungen von Auslandsüberweisungen oder Bargeldausfuhr
- verlängerte Bankfeiertage oder Abhebelimits in Nachbarländern
Ein Zinsangebot, das weit über dem liegt, was vergleichbare Banken zahlen, ist nicht automatisch verdächtig – aber es ist eine Frage wert: Warum braucht diese Bank so dringend Geld? Im Fall Greensill lagen die Zinsen spürbar über dem Markt. Wer dort anlegt, sollte konsequent unter 100.000 € bleiben und sich nicht auf freiwillige Zusatzsicherungen verlassen.
Die Krisen-Ampel: Wie stark solltest du reagieren?
Die richtige Reaktion hängt davon ab, wie konkret die Lage ist. Eine einfache Ampel hilft, weder zu spät noch zu heftig zu reagieren:
Grün ist der Normalzustand – und die einzige Phase, in der Vorbereitung nichts kostet. Ein Konto zu eröffnen dauert dann einen Abend, Bargeld in kleinen Scheinen bekommst du ohne Schlange, und niemand wundert sich über eine Überweisung.
Gelb bedeutet: Mehrere Warnzeichen treffen zusammen, etwa Ratingherabstufungen und Berichte über Maßnahmen der Aufsicht bei deiner Bank. Jetzt prüfst du, ob deine Aufstellung den Regeln der Einlagensicherung entspricht, und korrigierst, wo nötig. Das ist kein Alarm, sondern Pflege.
Rot heißt: Die Bank ist geschlossen, ein Moratorium gilt oder es gibt Abhebelimits. Jetzt entscheidet nur noch, was du vorher vorbereitet hast. Wer in dieser Phase erst ein Konto eröffnen will, wartet womöglich tagelang auf Identifizierung und Zugangsdaten.
Tiefer einsteigen? Kapitel 11 „Konten, Einlagensicherung, Plan B“ im Krisenvorsorge-System zeigt dir den kompletten Plan.
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Wenn du konkrete Hinweise hast, dass deine Bank in Schwierigkeiten steckt, arbeite diese Schritte der Reihe nach ab. Die meisten dauern Minuten, nicht Stunden.
- Ruhe bewahren und Quellen prüfenInformationen nur von der BaFin, der Sicherungseinrichtung und seriösen Medien. Gerüchte in Messenger-Gruppen sind kein Handlungsgrund.
- Guthaben pro Bank addierenAlle Konten derselben Banklizenz zusammenrechnen. Liegt mehr als 100.000 € bei dieser Bank? Wie du richtig rechnest, steht im Ratgeber Einlagensicherung.
- Überschuss umschichtenBeträge über der Grenze per Überweisung auf ein eigenes Konto bei einer anderen Bankengruppe verlegen – solange der Zahlungsverkehr normal läuft.
- Zweitkonto prüfenFunktionieren Karte, Online-Banking und TAN-Verfahren des Zweitkontos? Ist genug Guthaben für einen Monat darauf?
- Bargeldreserve auffüllenFür ein bis zwei Wochen Kassenausgaben, in kleinen Scheinen. Nicht mehr – und nicht erst, wenn die Schlangen vor den Automaten stehen.
- Gehalt und wichtige Lastschriften im Blick behaltenKommt das Gehalt auf die betroffene Bank, frühzeitig eine zweite Kontoverbindung beim Arbeitgeber vorbereiten.
- Kontoauszüge sichernAktuelle Auszüge als PDF herunterladen. Bei einem Moratorium oder einer Pleite brauchst du Belege über deine Guthaben.
- Depot nach Emittenten prüfenAktien und ETFs sind Sondervermögen. Zertifikate und Anleihen der wackelnden Bank dagegen sind eine Forderung gegen sie – siehe Bail-in erklärt.
Keine Panik: Warum „alles abheben“ ein Fehler ist
Ein Bank-Run ist außerdem selbstverstärkend: Wenn alle gleichzeitig abheben, gerät auch eine gesunde Bank in Not. Die Einlagensicherung existiert genau, damit Sparer diesen Reflex nicht brauchen. Sinnvoll ist eine vorbereitete Bargeldreserve – wie viel, rechnet dir der Ratgeber Wie viel Bargeld zu Hause? vor. Was beim späteren Einzahlen gilt, steht unter Bareinzahlung & Herkunftsnachweis.
Krisen sind Hochsaison für Betrüger. Typisch sind Anrufe oder Nachrichten angeblicher Bankmitarbeiter: „Ihre Bank ist insolvent, überweisen Sie Ihr Geld sofort auf ein Sicherheitskonto.“ Keine echte Bank und keine Behörde verlangt so etwas. Lege auf, rufe deine Bank über die dir bekannte Nummer zurück und gib niemals TANs oder Zugangsdaten weiter.
Weitere Fehler, die mehr kosten als die Krise
- Panikverkauf von Aktien und ETFs: Sie sind bei einer Bankpleite nicht gefährdet. Wer in einer Kursdelle verkauft, macht einen Buchverlust zu einem echten.
- Gold auf Kredit oder zum Höchstpreis: In Panikphasen steigen Aufpreise und Wartezeiten. Edelmetalle baut man vorher schrittweise auf.
- Alles zu einer einzigen „sicheren“ Bank tragen: Damit tauschst du ein Klumpenrisiko gegen ein anderes.
- Festgeld kündigen wollen: Festgeld ist in der Regel bis zum Laufzeitende gebunden. Es ist bis 100.000 € gesichert – Panik hilft hier nichts.
Rechner: Liegt bei einer Bank zu viel?
Bevor du irgendetwas umschichtest, verschaffe dir Klarheit. Trage deine Guthaben pro Bank ein und sieh sofort, ob und wo du über der Grenze liegst.
Der Plan für ruhige Zeiten
Der beste Notfallplan ist der, den du nie hektisch umsetzen musst. Alles, was in einer Bankenkrise hilft, lässt sich heute in Ruhe vorbereiten – ohne Kosten, ohne Risiko und ohne dass irgendjemand etwas davon merkt:
- zweites Konto mit Karte bei einer anderen Bankengruppe
- Notgroschen auf mindestens zwei Banken verteilt
- Bargeld für ein bis zwei Wochen, kleine Scheine
- Guthaben pro Bank unter 100.000 €
- Kontenübersicht mit IBANs und Sperrnummern auf Papier
- TAN-Verfahren, das nicht nur am Smartphone hängt
- Depot ohne Zertifikate der eigenen Hausbank
- Kontoauszüge regelmäßig als PDF gesichert
Das Herzstück dieser Vorbereitung ist das 3-Konten-System: Alltag, Reserve, Notfall – bei drei voneinander unabhängigen Banken. Einen Überblick über alle Bausteine findest du auf der Seite Geld vor Banken schützen.
Im Krisenvorsorge-System führt dich Kapitel 11 „Konten, Einlagensicherung, Plan B“ durch den kompletten Aufbau: welche Kontoarten in welche Säule gehören, die Karten-Strategie für mehrere Netzwerke, Online-Banking ohne Smartphone-Abhängigkeit und die Checkliste für einen Bankwechsel in 48 Stunden. Wirf einen Blick in die Leseprobe.
Häufige Fragen
Was passiert mit meinem Geld, wenn meine Bank pleitegeht?
Guthaben bis 100.000 € pro Person und Bank erstattet die zuständige Sicherungseinrichtung innerhalb von sieben Arbeitstagen. Beträge darüber werden im Insolvenzverfahren als Forderung angemeldet. Wertpapiere im Depot gehören dir und werden auf eine andere Bank übertragen.
Soll ich in einer Bankenkrise mein ganzes Geld abheben?
In aller Regel nein. Bargeld zu Hause ist nicht versichert wie ein Konto, große Beträge musst du vorbestellen, und wer später mehr als 10.000 € wieder einzahlt, muss die Herkunft belegen. Sinnvoll ist eine Reserve für ein bis zwei Wochen Kassenausgaben – vorbereitet, bevor die Krise kommt.
Woran erkenne ich, dass meine Bank in Schwierigkeiten ist?
Typische Warnzeichen sind Herabstufungen durch Ratingagenturen, ein starker Kursverfall der Bankaktie, auffällig hohe Zinsangebote im Vergleich zum Markt und Meldungen über Maßnahmen der BaFin. Ein einzelnes Signal ist kein Grund zur Panik – mehrere zugleich sind ein Grund, die eigene Aufstellung zu prüfen.
Wie viele Banken sollte man haben?
Mindestens zwei Banken aus unterschiedlichen Bankengruppen, jede mit eigener Karte. So bleibst du zahlungsfähig, wenn eine Bank ausfällt, gesperrt ist oder eine IT-Störung hat. Das 3-Konten-System ergänzt das um ein Notfallkonto.
Wer zahlt bei einer Bankpleite zuerst?
Nach den EU-Regeln zum Bail-in tragen zuerst Aktionäre, dann Inhaber nachrangiger Anleihen, dann weitere Gläubiger die Verluste. Gedeckte Einlagen bis 100.000 € sind ausgenommen. Mehr im Ratgeber Bail-in erklärt.