Hausapotheke für den Krisenfall: die komplette Liste
Eine Krisen-Hausapotheke nach BBK-Vorbild enthält vor allem: deine persönlichen Dauermedikamente, Schmerz- und Fiebermittel, Mittel gegen Erkältung und Durchfall, Elektrolyt-Lösungen, Wund- und Hautdesinfektion, Verbandmaterial, Fieberthermometer, Pinzette, Schere, Einmalhandschuhe und Rettungsdecke. Eine Reserve für Dauermedikamente von einigen Wochen baust du legal mit deinem Arzt auf. Gelagert wird kühl, trocken, dunkel – nicht im Badezimmer.
Wenn der Strom großflächig ausfällt, schließen Apotheken und Arztpraxen oder arbeiten nur eingeschränkt, Rettungsdienste sind überlastet. Ein Schnitt in der Hand, Fieber beim Kind, Durchfall nach dem dritten Tag mit wenig Wasser – im Alltag Kleinigkeiten, in der Krise echte Probleme. Eine gut sortierte Hausapotheke schließt diese Lücke.
Dieser Ratgeber gibt allgemeine Vorsorge-Informationen und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Welche Medikamente und Dosierungen für dich und deine Familie geeignet sind, klärst du mit Arzt oder Apotheke – besonders bei Kindern, Schwangeren, älteren Menschen und Vorerkrankungen. Im Zweifel: Arzt oder 112.
Was gehört in eine Hausapotheke für den Krisenfall?
Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz (BBK) nennt in seiner Checkliste die wichtigsten Bestandteile einer Hausapotheke. Die folgende Übersicht orientiert sich daran und ergänzt Hinweise für eine längere Krise.
| Bereich | Inhalt | Hinweis |
|---|---|---|
| Persönliche Medikamente | Alle Dauermedikamente aller Haushaltsmitglieder | Reserve mit dem Arzt besprechen |
| Schmerz und Fieber | Gängige Schmerz- und Fiebermittel, für Kinder als Saft oder Zäpfchen | Auswahl und Dosierung mit der Apotheke klären |
| Erkältung | Mittel gegen Erkältungsbeschwerden, Nasenspray, Halstabletten | Kinder-Varianten nicht vergessen |
| Magen und Darm | Elektrolyt-Lösungen zum Anrühren, Mittel gegen Durchfall und Übelkeit nach Beratung | Flüssigkeit und Salz ersetzen ist wichtiger als „Stopp-Mittel“ |
| Haut und Insekten | Mittel gegen Insektenstiche und Sonnenbrand, Brandgel | Sonnenschutz im Sommer-Szenario |
| Wunden | Wund- und Hautdesinfektion, Pflaster, sterile Kompressen, Mullbinden, Verbandpäckchen, Dreiecktuch | Inhalt eines Kfz-Verbandkastens als Grundstock |
| Instrumente | Fieberthermometer, Splitterpinzette, Verbandschere, Zeckenkarte oder -zange | Ersatzbatterie fürs Thermometer |
| Schutz | Einmalhandschuhe, FFP2-Masken, Rettungsdecke, Sofort-Kühlkompressen | Kühlkompressen funktionieren ohne Gefrierfach |
Orientierung an der BBK-Checkliste. Konkrete Präparate und Dosierungen immer mit Arzt oder Apotheke abstimmen; Altersgrenzen und Gegenanzeigen im Beipackzettel beachten.
Hausapotheke-Checkliste zum Abhaken
Geh deine vorhandene Hausapotheke mit dieser Liste durch. Vieles ist meist schon da – oft fehlen gerade die Dinge, die erst in einer längeren Krise wichtig werden.
- Dauermedikamente für mindestens 2 Wochen
- Ausgedruckter Medikationsplan
- Schmerz- und Fiebermittel (Erwachsene)
- Fiebermittel für Kinder in passender Form
- Elektrolyt-Lösungen (Beutel)
- Mittel gegen Durchfall nach Beratung
- Erkältungsmittel, Nasenspray
- Wunddesinfektion, Händedesinfektion
- Pflaster in verschiedenen Größen
- Sterile Kompressen, Mullbinden
- Verbandpäckchen, Dreiecktuch
- Brandgel, Mittel gegen Insektenstiche
- Fieberthermometer plus Ersatzbatterie
- Pinzette, Schere, Zeckenkarte
- Einmalhandschuhe in mehreren Größen
- Rettungsdecke, Sofort-Kühlkompressen
Die Hausapotheke ist ein Baustein des gesamten 10-Tage-Vorrats. Was du an Lebensmitteln und Getränken brauchst, steht in der Notvorrat-Liste nach BBK.
Dauermedikamente: eine Reserve legal aufbauen
Für viele Menschen ist das der wichtigste Teil der gesamten Vorsorge. Wer auf Blutdruck-, Herz-, Schilddrüsen-, Epilepsie- oder Diabetesmedikamente angewiesen ist, kann nicht zehn Tage pausieren – und genau diese Mittel sind verschreibungspflichtig. Dasselbe gilt für Hilfsmittel wie Inhalatoren, Blutzuckerteststreifen, Stomaversorgung oder Kompressionsmaterial: Auch sie gehören mit einer Reserve in den Plan. So gehst du vor:
- Offen mit dem Arzt sprechenSag, dass du für Notfälle eine Reserve von einigen Wochen anlegen möchtest. Frag auch: Was tue ich, wenn ich eine Dosis nicht bekomme? Gibt es Alternativen?
- Folgerezept früh einlösenHol das neue Rezept, wenn noch etwa zwei Wochen Tabletten da sind, nicht bei der letzten. So entsteht ein Puffer, der sich ständig erneuert.
- Mit der Apotheke klärenIst dein Präparat lieferfähig? Wie lagerst du es richtig? Gibt es Besonderheiten bei Hitze oder Kälte?
- Älteste Packung zuerstAuch Medikamente rotieren: neue Packung nach hinten, die älteste wird zuerst verbraucht. So läuft nichts ab.
- Medikationsplan auf PapierWirkstoff, Stärke, Dosierung, verordnender Arzt. Im Ernstfall kann ein fremder Arzt oder eine Notfallapotheke so viel schneller helfen. Eine Kopie gehört in die Dokumentenmappe.
Tiefer einsteigen? Kapitel 5 „Wasser“ und Kapitel 6 „Der 10-Tage-Vorrat“ im Krisenvorsorge-System zeigt dir den kompletten Plan.
Leseprobe ansehen →Insulin und kühlpflichtige Medikamente im Stromausfall
Ungeöffnetes Insulin wird in der Regel im Kühlschrank gelagert. Angebrochene Pens dürfen meist eine begrenzte Zeit bei Raumtemperatur verwendet werden – wie lange und bis zu welcher Temperatur, steht im Beipackzettel deines Präparats. Insulin darf weder einfrieren noch überhitzen.
Bei einem Stromausfall bleibt ein geschlossener Kühlschrank grob vier Stunden kalt – öffne ihn deshalb so selten wie möglich. Für die Zeit danach gibt es Kühltaschen mit Verdunstungskühlung, die ohne Strom funktionieren; erhältlich in Apotheken und im Diabetes-Fachhandel. Plane außerdem eine Reserve an Teststreifen, Sensoren, Pen-Nadeln und Batterien fürs Messgerät, dazu Traubenzucker gegen Unterzuckerung. Sprich mit deinem Diabetologen über einen Notfallplan – auch für den Fall, dass Messgerät oder Pumpe ausfallen. Wie lange Kühlschrank und Gefriertruhe ohne Strom durchhalten, steht unter Kühlschrank bei Stromausfall.
Kinder, Senioren, Allergiker: Sonderbedarf zuerst
Kinder
Fiebermittel in kindgerechter Form, Dosierung nach Alter und Gewicht mit der Apotheke klären. Fieberthermometer, Elektrolyt-Lösung, Wundcreme. Bei Säuglingen mit Fieber immer ärztliche Hilfe suchen.
Senioren
Vollständiger Medikationsplan, Ersatzbrille, Hörgerätebatterien, Inkontinenzmaterial. Bei Pflegebedürftigkeit Hilfsmittel und Pflegedienst in den Plan einbeziehen.
Allergiker
Ein vom Arzt verordnetes Notfallset – etwa ein Adrenalin-Autoinjektor – muss griffbereit und nicht abgelaufen sein. Zweitset für unterwegs bedenken.
Mehr zur Vorsorge für ältere und pflegebedürftige Angehörige liest du unter Notfallvorsorge für Senioren & Pflegebedürftige.
Durchfall und Flüssigkeitsverlust: die stille Gefahr
Wenn Wasserversorgung und Hygiene leiden, folgen Magen-Darm-Infekte. Der Durchfall selbst ist selten das eigentliche Problem – gefährlich ist der Verlust von Flüssigkeit und Salzen. Besonders schnell trifft das Säuglinge, Kleinkinder und ältere Menschen. Warnzeichen sind wenig und dunkler Urin, trockener Mund, Schwindel beim Aufstehen, bei Babys deutlich weniger nasse Windeln und auffällige Schläfrigkeit.
Deshalb gehören fertige Elektrolyt-Lösungen aus der Apotheke in jede Krisen-Hausapotheke: genau dosiert, platzsparend, lange haltbar. Dazu brauchst du sauberes Trinkwasser – wie du es im Notfall gewinnst, steht unter Wasser aufbereiten. Bei Verwirrtheit, kaum Urin, Blut im Stuhl, hohem Fieber oder einem teilnahmslosen Kind brauchst du sofort ärztliche Hilfe.
Hygiene gehört dazu
Die meisten Infektionen in Krisen werden über die Hände übertragen. Ein alkoholisches Händedesinfektionsmittel spart Wasser und schützt vor dem Essen, nach der Toilette, nach dem Wickeln und nach der Wundversorgung. Achte beim Kauf auf die Wirksamkeit: Gegen Noroviren, häufige Durchfallerreger, wirken nicht alle Mittel – die Angabe „begrenzt viruzid PLUS“ oder „viruzid“ deckt sie ab. Sichtbar schmutzige Hände vorher mit wenig Wasser und Seife waschen. Einmalhandschuhe, Müllbeutel und Feuchttücher gehören ebenfalls in den Vorrat.
Jodtabletten: nur auf Anordnung
Jodtabletten nimmst du nur auf ausdrückliche Aufforderung der Behörden ein – nie vorbeugend auf eigene Faust. Sie schützen ausschließlich die Schilddrüse vor radioaktivem Jod, nicht vor anderer Strahlung. Laut Bundesamt für Strahlenschutz sollen Menschen über 45 Jahre keine Jodtabletten einnehmen, weil bei ihnen das Risiko für Nebenwirkungen höher und der Nutzen geringer ist. Bund und Länder halten Jodtabletten für einen solchen Ereignisfall vor. Jodsalz ist kein Ersatz.
Richtig lagern und pflegen
- Nicht im Badezimmer: Wärme und Feuchtigkeit schaden Arzneimitteln.
- Kühl, trocken, dunkel: meist unter 25 °C – maßgeblich ist der Beipackzettel.
- Kindersicher: abschließbar oder außer Reichweite.
- Originalverpackung und Beipackzettel aufheben – Dosierung und Verfalldatum stehen darauf.
- Einmal im Jahr prüfen: Verfalldaten kontrollieren, Verbrauchtes ersetzen.
- Ein Teil wandert ins Notgepäck: kleines Erste-Hilfe-Set, Dauermedikamente für einige Tage.
Material allein rettet niemanden. Die wirksamste Investition ist ein Erste-Hilfe-Kurs für alle Erwachsenen und Jugendlichen im Haushalt, für Eltern zusätzlich „Erste Hilfe am Kind“ – aufgefrischt alle zwei Jahre. Und prüfe im Impfpass, wann die letzte Tetanus-Impfung war: Die STIKO empfiehlt Erwachsenen eine Auffrischung alle zehn Jahre.
Für Beschwerden, die nicht lebensbedrohlich sind, erreichst du außerhalb der Sprechzeiten den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117. Schreib dir außerdem die Nummer des Giftinformationszentrums deines Bundeslandes auf – auf Papier, nicht nur im Handy.
Im Krisenvorsorge-System findest du die Hausapotheke in Kapitel 6 als Teil des 10-Tage-Vorrats – und in der Geheimakte G4 „Medizinische Selbsthilfe“, was du als Laie tun kannst, wenn 112 nicht durchkommt: Blutungen, Verbrennungen, Unterkühlung, Durchfall und Hygiene ohne fließendes Wasser. Ein Auszug steht in der Leseprobe.
Alle weiteren Bausteine – Lebensmittel, Wasser, Kochen ohne Strom – findest du auf der Übersicht Notvorrat & Wasser.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Hausapotheke und Verbandkasten?
Ein Verbandkasten – etwa nach DIN 13164 fürs Auto – enthält nur Material zur Wundversorgung: Pflaster, Kompressen, Binden, Dreiecktuch, Schere, Handschuhe. Eine Hausapotheke geht weiter und umfasst zusätzlich Medikamente, Fieberthermometer, Desinfektionsmittel und Elektrolyt-Lösungen. Ein Verbandkasten ist ein guter Grundstock, ersetzt die Hausapotheke aber nicht.
Darf man abgelaufene Medikamente noch nehmen?
Bis zum Verfalldatum garantiert der Hersteller Wirksamkeit und Unbedenklichkeit bei richtiger Lagerung. Danach solltest du Arzneimittel nicht ohne Rücksprache mit Arzt oder Apotheke verwenden – besonders Säfte, Tropfen, Salben und angebrochene Packungen. Prüfe die Daten deshalb einmal im Jahr und ersetze Abgelaufenes rechtzeitig.
Wie entsorge ich alte Medikamente richtig?
Niemals über Toilette oder Spüle, denn Arzneimittelrückstände belasten Gewässer. Je nach Kommune gehören Altarzneimittel in den Restmüll, zur Schadstoffsammlung oder werden von Apotheken freiwillig angenommen. Die Regeln deiner Gemeinde erfährst du beim örtlichen Abfallberater oder in deiner Apotheke.
Was kostet eine Hausapotheke für den Krisenfall?
Eine solide Grundausstattung mit rezeptfreien Mitteln, Verbandmaterial, Desinfektion und Instrumenten kostet grob 50 bis 70 Euro (Stand 2026). Vieles davon ist in einem gut sortierten Haushalt schon vorhanden. Persönliche Dauermedikamente kommen auf Rezept dazu.
Was davon gehört ins Notgepäck?
Ins Notgepäck kommt eine kompakte Auswahl: ein kleines Erste-Hilfe-Set, Dauermedikamente für einige Tage, ein ausgedruckter Medikationsplan, Schmerzmittel, Pflaster und persönliche Hilfsmittel wie Ersatzbrille oder Hörgerätebatterien. Der Rest bleibt in der Hausapotheke zu Hause.
Bezahlt die Krankenkasse eine Medikamentenreserve?
Das hängt vom Einzelfall ab. Oft lässt sich eine Reserve ohne Mehrkosten aufbauen, indem du das Folgerezept rechtzeitig holst – etwa wenn noch zwei Wochen Tabletten da sind – und der Arzt, wo medizinisch sinnvoll, größere Packungen verordnet. Sprich offen mit deiner Praxis über das Ziel.