Kochen ohne Strom: Gaskocher, Spiritus & Kochkiste
Für die Wohnung eignet sich vor allem ein Gaskocher mit Kartuschen, der vom Hersteller für gut belüftete Innenräume freigegeben ist – beim Kochen lüften und einen CO-Melder aufstellen. Eine vierköpfige Familie braucht für 10 Tage grob 1 kg Gas, also gut 4 Kartuschen à 230 g, mit Reserve 6 bis 8. Eine Kochkiste spart oft die Hälfte des Brennstoffs. Grill, Holzkohle und Holzkocher gehören ausschließlich ins Freie.
Im Januar 2026 saßen im Berliner Südwesten zehntausende Haushalte nach einem Brandanschlag auf die Strominfrastruktur mehrere Wintertage ohne Strom. Herd, Backofen, Mikrowelle, Wasserkocher: alles tot. Die größte Gefahr in solchen Tagen ist nicht der Hunger – sondern das, was Menschen improvisieren, um doch etwas Warmes zu essen.
Welche Kocher in die Wohnung dürfen – und welche nicht
Für die Wohnung kommt praktisch nur Gas aus Kartuschen infrage, ergänzt durch Spiritus als Reserve – und auch das nur mit Geräten, die der Hersteller für gut belüftete Innenräume freigibt. Alles, was mit Holz oder Holzkohle brennt, gehört ins Freie. Der Grund heißt Kohlenmonoxid, dazu unten mehr.
| Kochmöglichkeit | In der Wohnung? | Hauptrisiko | Bewertung |
|---|---|---|---|
| Gaskocher mit Innenraum-Freigabe des Herstellers | ◐ | CO, Brand, Kartusche | Die Standardlösung – lüften, CO-Melder, nie unbeaufsichtigt |
| Spirituskocher | ◐ | Stichflamme beim Nachfüllen | Robuste Reserve, nach Herstellerangabe |
| Esbit, Trockenbrennstoff | ◐ | Starker Geruch, Dämpfe | Fürs Notgepäck; im Freien oder am offenen Fenster |
| Kaminofen mit Kochfläche (ohne Strom) | ✓ | Rauchgas bei Fehlbedienung | Ideal, wenn vorhanden und Holz trocken |
| Powerstation + Wasserkocher | ✓ | Akku schnell leer | Nur für kleine Mengen |
| Gaskocher „nur für den Außenbereich“ | ✕ | CO, Sauerstoffmangel | Nur draußen |
| Holzkohle- oder Gasgrill, Feuerschale | ✕ | Kohlenmonoxid, Brand | Lebensgefahr – auch nicht in Garage, Zelt, Gartenhaus |
| Hobo-Kocher, Holzvergaser | ✕ | Rauch, CO, Funkenflug | Nur im Freien mit Abstand zu Gebäuden |
◐ = nur mit ausdrücklicher Herstellerfreigabe, gut belüftet, mit CO-Melder und unter Aufsicht. Maßgeblich ist immer die Bedienungsanleitung deines Geräts.
Gaskocher: Tischkocher oder Schraubkartusche?
Tisch-Gaskocher
Flach, mit seitlich eingelegter Kartusche (oft 227 g Butan). Standfest, für große Töpfe geeignet, im Betrieb günstig. Ideal als Haushaltskocher für die Familie.
Outdoor-Kocher mit Schraubkartusche
Kompakt, mit Kartuschen von meist 100, 230 oder 450 g Butan-Propan-Gemisch. Kältetauglicher, gut fürs Notgepäck, aber weniger standfest für große Töpfe.
Manche Modelle sind laut Hersteller für gut belüftete Innenräume freigegeben, andere ausdrücklich nur für draußen. Lies die Anleitung vor dem Kauf, nicht im Ernstfall.
Nie einen Topf oder eine Grillplatte verwenden, die über das Kartuschenfach ragt. Die zurückgestrahlte Hitze kann die Kartusche überhitzen – Hersteller warnen ausdrücklich vor Explosionsgefahr. Außerdem: nie zwei Kocher nebeneinander, nie unbeaufsichtigt, Kartuschen nicht in der Sonne oder neben Heizquellen lagern.
Die Kälte-Falle: Reines Butan verdampft erst oberhalb von etwa 0 °C zuverlässig. Bei einem Winter-Blackout in einer ausgekühlten Wohnung kann der Kocher schwächeln. Lege deshalb Kartuschen mit Propan- oder Isobutan-Anteil („Winter-Mix“) in den Vorrat und bewahre sie körpernah oder im wärmsten Raum auf – nie mit Flamme oder auf der Heizung anwärmen.
Wie viel Brennstoff brauchst du für 10 Tage?
Die Grundrechnung ist einfach: Einen Liter Wasser zum Kochen zu bringen, kostet je nach Kocher, Wind und Deckel grob 10 bis 20 g Gas oder 30 bis 50 ml Spiritus. Dazu kommt Brennstoff fürs Köcheln. Daraus ergeben sich diese Richtwerte:
| Haushalt (10 Tage) | Gas gesamt (grob) | Kartuschen à 230 g mit Reserve | Spiritus als Alternative (grob) |
|---|---|---|---|
| 1 Person | ca. 250 g | 2–3 | ca. 1 L |
| 2 Personen | ca. 500 g | 3–4 | ca. 2 L |
| 4 Personen | ca. 1 kg | 6–8 | ca. 3–4 L |
Eigene, grobe Beispielrechnung mit Faustwerten. Wind, Kälte, Topfgröße und Gerichte verändern den Verbrauch stark. Mit Kochkiste deutlich weniger.
Eine vierköpfige Familie erhitzt pro Tag etwa 4,5 Liter Wasser – für Tee, Haferbrei, Reis, Suppe und abgekochtes Trinkwasser. Bei 15 g pro Liter sind das rund 70 g Gas, plus 20 bis 30 g fürs Köcheln: rund 90 bis 100 g pro Tag. Für zehn Tage ergibt das etwa 1 kg Gas, also gut vier 230-g-Kartuschen. Mit Reserve für Kälte, Wind und Pannen: sechs bis acht.
Spiritus, Brennpaste, Esbit: die Reserve
Ein Spirituskocher ist robust, hat kaum Verschleißteile und funktioniert auch bei Kälte. Er braucht aber grob das Anderthalb- bis Doppelte an Brennstoff im Vergleich zu Gas. Nie nachfüllen, solange der Brenner heiß ist – es drohen Stichflammen, und die Flamme ist bei Tageslicht fast unsichtbar. Brennpaste eignet sich zum Warmhalten, Esbit-Trockenbrennstoff fürs Notgepäck; er riecht stark und gehört ins Freie oder ans offene Fenster.
Tiefer einsteigen? Kapitel 5 „Wasser“ und Kapitel 6 „Der 10-Tage-Vorrat“ im Krisenvorsorge-System zeigt dir den kompletten Plan.
Leseprobe ansehen →Die Kochkiste: halber Brennstoff, gleiches Essen
Die Kochkiste ist eine fast vergessene Technik: Du kochst ein Gericht kurz auf und stellst den geschlossenen Topf sofort in eine gut isolierte Hülle. Die gespeicherte Wärme gart das Essen fertig – ganz ohne weitere Flamme. Je nach Gericht sparst du oft die Hälfte des Brennstoffs und mehr.
Als Kochkiste eignet sich alles, was gut isoliert: eine Styroporbox, eine Kühlbox, ein Wäschekorb mit Decken, ein Schlafsack oder mehrere Handtücher. Besonders gut funktionieren Gerichte, die Wasser vollständig aufnehmen – Reis, rote Linsen, Haferbrei, Kartoffeln in kleinen Stücken. Getrocknete Bohnen brauchen dagegen vorgeweicht noch Stunden und müssen vollständig durchgegart sein.
Probier die Kochkiste jetzt aus, an einem normalen Abend mit Reis oder Linsen. Dann weißt du, wie lange dein Topf in deiner Isolierung braucht. Wichtig für die Lebensmittelsicherheit: Gegartes nicht stundenlang lauwarm stehen lassen, sondern zügig essen – und abgekühlte Gerichte vor dem Verzehr nochmals kräftig aufkochen.
Kohlenmonoxid: die unsichtbare Gefahr
Kohlenmonoxid (CO) entsteht bei jeder unvollständigen Verbrennung – von Holzkohle, Gas, Spiritus, Benzin oder Holz. Es ist farblos, geruchlos und geschmacklos. Du riechst den Grill, aber nicht das Gift. CO blockiert die Sauerstoffversorgung von Gehirn und Herz, und die ersten Anzeichen fühlen sich an wie Erkältung oder Müdigkeit: Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, Benommenheit.
Alarmzeichen: Mehrere Personen oder auch Haustiere im selben Raum bekommen gleichzeitig Beschwerden, und an der frischen Luft wird es besser. Dann sofort Fenster auf, alle ins Freie, Notruf 112.
- Nur Kocher mit Innenraum-Freigabe verwenden
- Beim Kochen Fenster öffnen – auch im Winter
- CO-Melder nach EN 50291 aufstellen
- Kocher nie unbeaufsichtigt lassen
- Stabile, nicht brennbare Unterlage
- Abstand zu Vorhängen und Regalen
- Nie im Zelt oder in der Wärme-Höhle kochen
- Kartuschen nur bei erloschener Flamme wechseln
Dieselbe Gefahr droht bei improvisierten Heizversuchen. Wie du sicher warm bleibst, ohne einen einzigen Brenner im Raum, zeigt der Ratgeber Heizen ohne Strom.
Draußen kochen: Grill, Hobo und Feuerschale richtig nutzen
Was in der Wohnung tödlich ist, ist im Garten eine hervorragende Kochstelle. Holzkohlegrill, Gasgrill, Feuerschale und Holzkocher wie Hobo oder Holzvergaser laufen mit Brennstoff, der oft ohnehin da ist: Holzkohle, Zweige, Zapfen, Pellets. Wer ein Haus mit Garten hat, kann so viel Gas für die Wohnung sparen.
Die Regeln: nur im Freien, mit deutlichem Abstand zu Gebäuden, Fenstern und Lüftungsöffnungen – auch zu denen der Nachbarn. Glut nie zum Abkühlen ins Haus, in die Garage oder unter ein Vordach stellen. Der Balkon im Mehrfamilienhaus ist wegen Funkenflug, Rauch und Hausordnung meist keine gute Idee. Und Gaskartuschen bleiben auch draußen nicht in der prallen Sonne stehen.
Was kochen? Brennstoffsparend und mit wenig Wasser
Im Notbetrieb zählen zwei Ressourcen: Brennstoff und Wasser. Koche deshalb wasserneutral – mit Lebensmitteln, die das Wasser ganz aufnehmen: Reis, Couscous, Bulgur, Haferflocken, Kartoffelpüree-Flocken, rote Linsen. Nudeln nur knapp mit Wasser bedecken und das stärkehaltige Kochwasser für Suppe oder Soße nutzen. Die Flüssigkeit aus Gemüsekonserven ist ebenfalls Kochwasser.
Plane außerdem mindestens ein Drittel des Vorrats so, dass er kalt essbar ist: Knäckebrot, Konserven, Nüsse, Erdnussbutter, Haferflocken mit H-Milch. Wenn Kocher oder Gas ausfallen, isst die Familie trotzdem satt. Welche Mengen pro Person sinnvoll sind, steht in der Notvorrat-Liste nach BBK. Und wer Wasser aus Boiler oder Regentonne abkochen muss, findet die Details unter Wasser aufbereiten.
Kochen ist nur ein Teil von Kapitel 7 im Krisenvorsorge-System. Dort geht es auch um die Wärmeinsel-Methode, die ehrliche Wattstunden-Rechnung für Powerstations, Licht für 10 Tage und Kommunikation ohne Handynetz. Einen Auszug liest du in der Leseprobe.
Ob sich eine Powerstation als Ergänzung lohnt, erklärt der Ratgeber Powerstation & Notstrom. Alle Bausteine der Versorgung findest du auf der Übersicht Notvorrat & Wasser.
Häufige Fragen
Wie lange reicht eine Gaskartusche?
Als Faustwert kostet es je nach Kocher, Wind und Deckel grob 10 bis 20 g Gas, einen Liter Wasser zum Kochen zu bringen. Eine 230-g-Kartusche reicht damit für etwa 11 bis 23 Liter. Im Alltag mit Köcheln ist es weniger – für eine Person reicht eine Kartusche grob mehrere Tage.
Wie lange kann man Gaskartuschen lagern?
Das Gas selbst altert kaum, entscheidend ist der Zustand der Kartusche: unbeschädigt, ohne Rost, Ventil dicht. Lagere sie kühl, trocken und vor direkter Sonne und Temperaturen über 50 °C geschützt, nicht neben Heizkörpern. Beachte die Hinweise auf der Kartusche und kontrolliere den Vorrat zweimal im Jahr.
Kann man mit einer Powerstation kochen?
Begrenzt. Einen Liter Wasser mit dem Wasserkocher aufzukochen kostet rund 0,12 kWh. Eine Powerstation mit 1.000 Wh schafft damit grob 7 Liter, wenn sie genug Ausgangsleistung für den Wasserkocher hat. Für Tee und Babyflaschen geht das, für zehn Tage Familienküche reicht es nicht.
Kann man auf dem Kaminofen kochen?
Ja, wenn der Ofen ohne Strom funktioniert und eine geeignete Oberfläche oder Kochplatte hat. Ein Topf auf dem abgenommenen Kaminofen kocht Suppe, Eintopf und Wasser. Achtung: Pelletöfen brauchen fast immer Strom für Zündung, Förderschnecke und Gebläse.
Darf ich Gaskartuschen in der Mietwohnung lagern?
Einige Kartuschen für den Haushaltsbedarf sind üblich. Lagere sie kühl, nicht in der Sonne und nicht neben Heizquellen. Größere Flüssiggasflaschen gehören nie in Keller oder Räume unter Erdgleiche, weil Flüssiggas schwerer als Luft ist und sich in Senken sammelt. Prüfe zusätzlich Hausordnung und Mietvertrag.